Mediendidaktik   home

Archiv für die Kategorie „Medientheorie“

Didaktisches Design und die Transformation von Wissen im digitalen Zeitalter

Mittwoch, 20. Juni 2012

Es ist vollbracht: der – im Community-Review-Verfahren, sowie vor Ort in der Ringvorlesung in Köln – diskutierte und überarbeitete Text zum Didaktischen Design liegt jetzt als zitierfähiger Volltext vor und steht zum Download bereit. Ich möchte mich hiermit nochmal herzlich bedanken, bei allen 18 Reviewern und den TeilnehmerInnen vor Ort in Köln und Magdeburg, die mich mit absolut hilfreichen Hinweisen und weiterführenden Literaturempfehlungen versorgt haben.

Bei der Überarbeitung des Textes habe ich mich bemüht, alle diskutierten Fragen zu berücksichtigen, soweit sie dazu beitrugen, die Argumentationslinie des Textes schärfer zu konturieren. Einige Punkte, für deren (Re-)Formulierung ich mir teilweise auch die diskutierten Originaltexte besorgt habe, möchte ich hier kurz hervorheben, um deutlich zu machen, wo die entscheidenden Änderungen und Ergänzungen am Text durchgeführt wurden.

Innovation

Martin Lindner und Norbert haben zu recht deutlich gemacht, dass der Begriff Innovation geklärt sein sollte, bevor er zur Definition des Bildungsbegriffs herangezogen werden kann. Entsprechend habe ich einen Abschnitt zum Thema Innovation eingefügt, der sich vor allem auf den Artikel “Die Innovationen der Gesellschaft” von Werner Rammert stützt. Rammert führt hier aus, warum der klassische, ökonomische Innovationsbegriff dem gesellschaftlichen Wandel nicht mehr gerecht wird und präsentiert eine vorläufige umfassendere Definition von Innovation, die soziale und kulturelle Aspekte der gesellschaftlichen Entwicklung mit einschließt.

Beschleunigung

Christoph Schmieding hat – unter Berufung auf Vera King und Hartmut Rosa – darauf hingewiesen, dass, Bildung als permanente Innovation aufzufassen, problematisch sei, wenn man Kings Einschätzung teilt, dass sich durch zunehmende Beschleunigungen in den Generationenbeziehungen die kollektiven Rhythmen des sozialen Lebens weitgehend auflösen. Ich habe im überarbeiteten Text versucht, Vera Kings und Hartmut Rosas Argumentation nachzuzeichnen und dieser die Einschätzung von Hartmut Böhme entgegengesetzt, der aus kulturwissenschaftlicher Perspektive erklärt, dass gesellschaftliche Umbrüche schon immer als Beschleunigung erfahren wurden und dass der Mensch evolutionsgeschichtlich über erhebliche Anpassungsfähigkeiten verfügt.

Bildung

Bezüglich des Bildungsbegriffs haben Matthias Andrasch und Martin Lindner auf den strukturalen Bildungsbegriff von Jörissen/Marotzki hingewiesen. Stefan Iske hat darüber hinaus auf die transformatorische Bildungstheorie von Hans-Christoph Koller aufmerksam gemacht, die für mich eine spannende Neuentdeckung war. Beide Ansätze habe ich in einem zusätzlichen Absatz kurz erläutert und zur von mir vorgeschlagenen Definition in Beziehung gesetzt. Klaus Meschede plädierte dafür, ganz auf die Begrifflichkeiten Bildung und Innovation zu verzichten, diesem Vorschlag bin ich nicht gefolgt. Hier die Online-Diskussion dazu: #comment-67

Didaktik

Das Theorie-Praxis-Problem der Didaktik habe ich etwas ausführlicher herausgearbeitet, indem ich mit Dewey und Hetzel pragmatistisch argumentiere, dass wissenschaftliche Theorie nur eine besondere Form der Praxis ist. Der Praxisbegriff bei Dewey wird kurz erläutert und von Habermas´s Theorie kommunikativen Handelns – auf die Frieder(IttnerFA) in der Online-Diskussion hingewiesen hatte – abgegrenzt. Die strukturalen Aspekte von Bildung und Didaktik, auf die Stefan Iske mehrfach hingewiesen hat, sind aus meiner Sicht mögliche, aber nicht zwingende, Analysemöglichkeiten, die den Disput zwischen Lehr-Lernforschung und Allgemeiner Didaktik nicht wirklich auflösen.

Design

Wenn wir von Didaktischem Design reden, müssen wir natürlich auch den Design-Begriff klären, worauf Martin Lindner aufmerksam gemacht hat. Aus Zeitgründen und weil die Beschreibung für meine Argumentationslinie sehr treffend ist, habe ich hier einfach aus dem Wikipedia-Artikel zum Thema Design zitiert. Zudem habe ich diesen Abschnitt um Flechsigs Definition des Didaktischen Designs ergänzt.

Komposition

Zum Schlagwort »Komposition« hat Stefan Iske ein schönes Zitat von Nam June Paik beigetragen, dass zwar nicht Eingang in den Text gefunden hat, aber weil es so schön ist, soll es hier nochmal vorgetragen werden: “Es ist nicht das Wichtigste, neue Dinge zu entdecken, es ist das Wichtigste, neue Beziehungen zwischen existierenden Dingen herzustellen.”

Output-Orientierung

Das Thema Output-Orientierung (Bildungsstandards, Zensuren, etc.) habe ich im Text nicht weiter vertieft, weil da so viele Argumente auszutauschen wären, dass es schwer würde, eine transparente Argumentationslinie aufrecht zu erhalten. Vielleicht ist das ja ein Thema für eine spätere Publikation. Hier stattdessen der Link zur Online-Diskussion zu diesem Thema: #comment-40

Lebenslänglich

Zum Schluss noch ein paar Sätze von mir und Nicole D. dazu, warum ich den von Martin Lindner in Erinnerung gebrachten Begriff “Lebenslanges Lernen” so ungerne benutze: #comment-24

Flechsig

Absolut spannend war für mich im Nachgespräch zum Vortrag, was Stefan Iske über Karl-Heinz Flechsig berichtete, den er noch persönlich an der Hochschule kennenlernen konnte: Flechsig hat sich wohl mehrfach empört darüber geäußert, dass sein in der Didaktik entwickelter Begriff des »Didaktischen Designs« von Vertretern der Instruktionspsychologie gekapert und uminterpretiert wurde. Vielleicht kann der hier vorliegende Artikel einen Beitrag dazu leisten, »Didaktisches Design« wieder zurück zu erobern und für die Lehrerbildung fruchtbar zu machen … Ich bin gespannt auf die weitere Diskussion.

Der Artikel auf Crocodoc:

Zitationsweise:
Neuhaus,W. (2012). Didaktisches Design und die Transformation von Wissen im digitalen Zeitalter. Blog Mediendidaktik. Retrieved June 18, 2012, from http://mediendidaktik.org/docs/didaktisches-design-neuhaus.pdf

  • Download des Artikels über mediendidaktik.org
  • Der Foliensatz zum Vortrag:

    Köln, 16.5.2012
    Ringvorlesung: Transformationsprozesse der Didaktik – Lehren und Lernen im medialen Wandel, Uni Köln

    Bildung als permanente Innovation

    Dienstag, 1. Mai 2012

    Am 16.5. 2012 halte ich im Rahmen einer öffentlichen Ringvorlesung an der Uni Köln einen Vortrag zum Thema »Didaktisches Design und die Transformation von Wissen im digitalen Zeitalter«.

     
    Kernthese meines Vortrags ist es, den Bildungsbegriff auf eine ideologiefreie Grundfunktion zurückzuführen, um damit ein übergeordnetes Beurteilungskriterium zu schaffen, das als Kompass dienen kann für pädagogische und didaktische Einzelmaßnahmen. Diese Grundfunktion sehe ich im Prinzip der permanenten Innovation. Um Meinungen, Fragen und Kritik der Community in den Vortrag einbauen zu können, habe ich mich entschlossen den Vortragstext vorab – online – einem öffentlichen Reviewverfahren zu unterwerfen. Ich lade hiermit die Leserinnen und Leser meines Blogs und sonstige Bildungsinteressierte herzlich ein, an diesem Experiment teilzunehmen. Das Reviewverfahren erfolgt über einen speziell konfigurierten WordPress-Blog, der es erlaubt “threaded discussions” zu einzelnen Absätzen eines Textes zu führen.

    Public Peer Review
    Der zu kommentierende Vortragstext in seiner Vorversion findet sich unter der Adresse http://community-review.mediendidaktik.org/2012/05/01/didaktisches-design-neuhaus/ . Um Abschnitte zu kommentieren bedarf es lediglich eines Klicks auf das Sprechblasen-Symbol links neben dem jeweiligen Absatz. Die Diskussions-Threads werden dann gestuft im rechten Sidebar dieses Review-Systems dargestellt. Login und Registrierung sind nicht erforderlich. Der Text ist relativ lang und theorielastig. Aber er ist modular aufgebaut und enthält vier Hauptabschnitte:

    1. Zukunft
    2. Permanente Innovation
    3. Medium
    4. Didaktisches Design

    Wem der gesamte Text zu lang und schwerfällig ist, kann sich auch auf einen der einzelnen Abschnitte stürzen. Es spricht auch überhaupt nichts dagegen, Verständnisfragen zu stellen. Über eine rege Beteiligung würde ich mich freuen.

  • Zugriff auf den Artikel über »Community Review Mediendidaktik«
  • PDF-Version des vorläufigen Vortragstexts
  • Ringvorlesung Uni Köln
  • Bruno Latour: Befreiung aus den Endlosschleifen der Postmoderne

    Dienstag, 21. Februar 2012

    Unser Verhältnis zur Zukunft wirkt heute häufig so, als wären wir der Zukunft ausgeliefert, als müssten wir ständig den Ereignissen hinterherlaufen. Gerade in der IT-affinen Welt hat sich eine Mentalität breit gemacht, die ein neu Hervorgebrachtes sofort für veraltet erklärt, die mit hoher Energie den nächsten Hype erwartet, vorhersieht, glorifiziert. Die besondere Qualität der Konzentration auf eine Sache geht zunehmend verloren. Vieles spricht dafür, dass diese Mentalität Ausdruck postmodernen Denkens ist. Eines Denkens, das – verfangen in zahllosen Endlosschleifen – heute zunehmend absurde Züge annimmt und das, wenn man Bruno Latour glauben darf, im Grunde schon der Vergangenheit angehört. In einem Vortrag an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München, anlässlich der Annahme des Kulturpreises der Münchener Universitätsgesellschaft vor zwei Jahren, entwickelt Latour Perspektiven für eine Zeit nach der Postmoderne (siehe Heise-Artikel 2010).

    Bereits In seinem Buch »Wir sind nie modern gewesen« räumt Latour mit dem Postmodernismus auf: “Der Postmodernismus ist ein Symptom und keine neue, unverbrauchte Lösung. Er lebt unter der modernen Verfassung, aber glaubt nicht mehr an die Garantien, die sie bietet” (Latour 2008, S. 64). Aber auch den Utopismus der Moderne entlarvt Latour als unrealistisch und rückwärtsgewandt und greift damit eine These auf, die der Kunstkritiker und Medientheoretiker Boris Groys Ende der Neunziger Jahre eindrücklich formuliert hat:

    “Der Utopismus der Moderne ist auf seine Art ein Konservatismus der Zukunft”

    “Das Denken der Moderne geht im Unterschied zu dem der meisten vorangegangenen Jahrhunderte von der Voraussetzung aus, dass sich die universelle Wahrheit in der Gegenwart oder Zukunft offenbaren kann, nicht nur in der Vergangenheit. Oder anders gesagt, dass die Wahrheit sich als Sinn, Wesen, Sein usw. jenseits der Tradition in der Wirklichkeit ankündigt. Deshalb neigt der moderne Mensch tatsächlich zur Erwartung und zur Hoffnung, dass sich ihm diese neue Wahrheit offenbaren und ihn von seinen früheren Irrtümern befreien möge. Indessen wird auch in der Moderne diese sich im Laufe der Zeit offenbarende Wahrheit als ewig und außerzeitlich verstanden. Sie unterliegt folglich der fortdauernden Bewahrung für die Zukunft, sobald sie einmal enthüllt worden ist. Das ist der Grund, weshalb diese Zukunft in der Moderne in der Regel so entworfen wird, wie man sich früher die Vergangenheit vorstellte – als harmonisch, unveränderlich und der einen Wahrheit unterstellt. Der Utopismus der Moderne ist auf seine Art ein Konservatismus der Zukunft” (Groys 1999, S. 24).

    In Latours Worten beim Vortrag an der LMU klingt das dann so: “Was die Modernen »ihre Zukunft« nannten, wurde nie von Angesicht zu Angesicht gesehen, da es die Zukunft von jemandem war, der seiner Vergangenheit rückwärts entflieht, und sie nicht vorwärts bedacht wurde. Deshalb war ihre Zukunft, wie ich vorher betont habe, immer so unrealistisch, so utopisch” (Latour 2010, S. 14). Dem postmodernen Denken traut Latour (in: »Wir sind nie modern gewesen«) jedoch keinesfalls zu, das moderne Denken abzulösen:

    “Warten auf das Ende des Jahrtausends”

    “In den unzähligen Auseinandersetzungen der Alten und der Modernen gewinnen die ersten jetzt genauso oft wie die zweiten, und nichts erlaubt mehr zu sagen, ob die Revolutionen den alten Regimes den Garaus machen oder sie vollenden. Daher der Skeptizismus, der seltsamerweise »post«-modern genannt wird, auch wenn er nicht weiß, ob er fähig ist, die Moderne für immer abzulösen” (Latour 2008, S. 19). Bereits einige Zeilen vorher bringt Latour den postmodernen Gestus auf den Punkt: “Unfähig, an die Versprechen von Sozialismus oder »Naturalismus« zu glauben, hüten sich die Postmodernen wohl, gänzlich daran zu zweifeln. In der Schwebe zwischen Glauben und Zweifel warten sie auf das Ende des Jahrtausends” (Latour 2008, S. 18).

    So entwirft Latour in der LMU-Rede mit seinem »Versuch ein kompositionistisches Manifest zu schreiben« (das zugegebenermaßen nicht ganz leicht zu lesen ist), eine Zukunft, die wir aktiv gestalten und nicht nur passiv entgegennehmen, in der es um Komposition geht, um echte Anliegen. Hier zwei Zitate aus seinem Vortrag:

    “Komposition”

    “Sie lenkt so die Aufmerksamkeit weg vom irrelevanten Unterschied zwischen dem Konstruierten und dem nicht Konstruierten, zwischen dem Komponierten und nicht Komponierten, und statt dessen hin zum wichtigen Unterschied zwischen dem gut oder schlecht Konstruierten, gut oder schlecht Komponierten. Was komponiert wurde, kann jederzeit auch kompostiert werden. Kompositionismus stellt sich die Aufgabe, Universalität zu suchen, ohne zu glauben, dass Universalität schon da sei und darauf warte, enthüllt und entdeckt zu werden” (Latour 2010, S. 4).

    “Wir wollen Immanenz und Wahrheit auf einmal, spricht der Kompositionist. Oder um meine Sprache zu verwenden: wir wollen matters of concern, nicht matters of fact; Anliegen, nicht Tatsachen” (Latour 2010, S. 8).

    Vielleicht hilft es – um Bruno Latour zu verstehen – Richard Rorty heranzuziehen, der mit seiner Neuformulierung des Pragmatismus eine ähnliche Beziehung zum Zukunftsbegriff hat wie Latour: “Die Phantasie ist die Quelle neuer wissenschaftlicher Bilder des physikalischen Universums ebenso wie die Quelle neuer Entwürfe möglicher Gemeinschaftsformen. Sie ist das, was Newton und Christus, Freud und Marx gemeinsam war: Die Fähigkeit, das Vertraute mit Hilfe unvertrauter Begriffe neu zu beschreiben” (Rorty 1992, S. 88).

     

  • Zum vollständigen Vortrag von Bruno Latour auf Heise.de: Ein Versuch, das “Kompositionistische Manifest” zu schreiben, übersetzt von Sascha Pöhlmann.
  • Quellen:

    • Groys, B. (1999). Über das Neue – Versuch einer Kulturökonomie. Frankfurt am Main: Fischer.
    • Latour, B. (2008). Wir sind nie modern gewesen – Versuch einer symmetrischen Anthropologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
    • Latour, B. (2010). Ein Versuch, das “Kompositionistische Manifest zu schreiben” Vortrag zur Annahme des Kulturpreises der Münchener Universitätsgesellschaft am 8. Februar 2010 in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität.
    • Rorty, R. (1992). Kontingenz, Ironie und Solidarität. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

    Marshall McLuhan Speaks ! Die Videos

    Mittwoch, 26. Januar 2011

    Video-Collection: Marshall McLuhan Speaks

  • Marshall McLuhan Speaks: CENTENNIAL 2011
  • Ganzheit bei McLuhan

    Montag, 6. Dezember 2010

    Foto: McLuhan 2.0 bei Mediacology

    Reagieren auf die Welt als Ganzes
    McLuhan zitiert J.Z.Young:”Vielleicht liegt ein großer Teil des Geheimnisses der Gehirnkräfte in der ungeheuren Anzahl von Möglichkeiten, die einem Wechselspiel der Reizwirkungen eines jeden Teils der Empfangsfelder geboten werden. Diese Bereitstellung von Wechselwirkungs-Orten oder Mischungs-Stellen ist es, die uns erlaubt, auf die Welt als ein Ganzes in einem viel höheren Maße zu reagieren, als es andere Lebewesen können” (McLuhan 1968, S.14).

    Einheit des Empfindens und Stammeskultur
    “In unserem langen Bemühen, für das Abendland wieder eine Einheit des Empfindens, des Denkens und Fühlens zurückzuverlangen, sind wir ebensowenig darauf gefaßt gewesen, die sich aus einer solchen Einheit ergebende Stammeskultur anzunehmen, wie wir auf die Fragmentierung der menschlichen Psyche durch die Buchdruckkultur vorbereitet waren” (McLuhan 1968, S.49).

    Raumbegriff
    “Irvins erklärt dann weiter, warum wir uns den Raum als eine Art selbständigen Behälter vorstellen, während in Wirklichkeit der Raum »eine Eigenschaft oder Beziehung von Dingen ist und ohne sie nicht existiert«” (McLuhan 1968, S.59).

    Ganzheitliche Auffassung von Struktur, Form und Funktion
    “Die Botschaft, so schien es damals, sei der »Inhalt«, als die Leute nocht fragten, was ein Gemälde bedeute. Doch wäre es ihnen nie eingefallen zu fragen, was eine Melodie, ein Haus oder Kleid bedeute. In solchen Dingen haben die Menschen eine gewisse ganzheitliche Auffassung der Struktur, Form und Funktion als eine Einheit beibehalten” (McLuhan 1994, S.30).

    Streben nach Ganzheit
    “Das Streben unserer Zeit nach Ganzheit, Einfühlungsvermögen und Erlebnistiefe ist eine natürliche Begleiterscheinung der Technik der Elektrizität” (McLuhan 1994, S.18).

    Quellen:

    • McLuhan, M. (1968). Die Gutenberg-Galaxis – Das Ende des Buchzeitalters. Düsseldorf und Wien: Econ Verlag.
    • McLuhan, M. (1994). Die magischen Kanäle – Understanding Media. Düsseldorf und Wien: ECON.
  • FAQ´s auf marshallmcluhan.com
  • McLuhan neu Lesen, Leseprobe des transcript-Verlags (PDF)
  • Medium und Werkzeug bei McLuhan

    Samstag, 4. Dezember 2010

    Bildquelle: Buzzersation

    Medium als Botschaft
    “In einer Kultur wie der unseren, die es schon lange gewohnt ist, alle Dinge, um sie unter Kontrolle zu bekommen, aufzusplittern und zu teilen, wirkt es fast schockartig, wenn man daran erinnert wird, daß in seiner Funktion und praktischen Anwendung das Medium die Botschaft ist. Das soll nur heißen, daß die persönlichen und sozialen Auswirkungen jedes Mediums – das heißt jeder Ausweitung unserer eigenen Person – sich aus dem neuen Maßstab ergeben, der durch jede Ausweitung unserer eigenen Person oder durch jede neue Technik eingeführt wird” (McLuhan 1994, S.21).

    Erweiterung der Sinnesorgane
    “Der Mensch als werkzeugschaffendes Lebewesen, handle es sich um die Sprache, die Schrift oder das Radio, ist schon lange damit beschäftigt, das eine oder andere seiner Sinnesorgane so zu erweitern, daß dadurch alle seine anderen Sinne und Anlagen gestört werden” (McLuhan 1968, S.9).

    Sprache als Werkzeug
    “Die Sinnesveräußerlichung oder -äußerung, welche die Sprache und das Sprechen darstellten, bildet ein Werkzeug, das es »dem Menschen ermöglichte, Erfahrungen und Wissen in einer Form anzusammeln, die eine leichte Weitergabe und einen größtmöglichen Nutzen gestattete«” (McLuhan 1968, S.10).

    Erweitertes Erfahrungsfeld im elektrischen Zeitalter
    “Im heutigen elektrischen Zeitalter nun hat gerade der instantane Charakter der Koexistenz unserer technischen Instrumente eine in der Menschheitsgeschichte völlig neue Krise hervorgerufen. Unsere erweiterten Anlagen und Sinne bilden heute ein einziges Feld der Erfahrung und des Erlebens, das verlangt, daß sie kollektiv bewußt werden. Unsere Techniken bedürfen heute, genau wie unsere eigenen Sinne, eines Wechselspiels, eines gegenseitigen Verhältnisses, das eine rationale Koexistenz möglich macht. Solange unsere Techniken so langsam waren wie das Rad, das Alphabet oder das Geld, war die Tatsache, daß sie getrennte geschlossene Systeme bildeten, sozial und psychisch erträglich. Doch dies trifft heute nicht mehr zu; denn das Bild, der Ton und die Bewegung werden simultan und in einem globalen Ausmaße erlebt. Ein proportioniertes Wechselspiel zwischen diesen Erweiterungen unserer menschlichen Funktionen ist heute auf kollektiver Ebene ebenso notwendig, wie es dies für unser persönliches, individuelles Vernunftsvermögen und die Einzelsinne (»wits«) schon je gewesen ist” (McLuhan 1968, S.11).

    Mechanisierung aller Handwerke durch den Buchdruck
    “Der Buchdruck stellte die erste Mechanisierung eines uralten Handwerkes dar und führte mühelos zur weiteren Mechanisierung aller Handwerke” (McLuhan 1968, S.64).

    Typographie als Mechanisierung
    “Die Typographie – die erste Mechanisierung eines Handwerks – ist selbst das vollkommene Beispiel nicht eines neuen Wissens, sondern angewandten Wissens” (McLuhan 1968, S.206).

    Medium als Inhalt eines anderen Mediums
    “Das Beispiel des elektrischen Lichtes wird sich in diesem Zusammenhang vielleicht als aufschlußreich erweisen. Elektrisches Licht ist reine Information. Es ist gewissermaßen eine Medium ohne Botschaft, wenn es nicht gerade dazu verwendet wird, einen Werbetext Buchstabe um Buchstabe auszustrahlen. Diese für alle Medien charakteristische Tatsache bedeutet, daß der »Inhalt« jedes Mediums immer ein anderes Medium ist” (McLuhan 1994, S.22).

    “Unsere übliche Antwort, mit der wir alle Medien abtun, nämlich daß es darauf ankomme, wie wir sie verwenden, ist die befangene Haltung des technischen Dummkopfs. Denn der »Inhalt« eines Mediums ist mit dem saftigen Stück Fleisch vergleichbar, das der Einbrecher mit sich führt, um die Aufmerksamkeit des Wachhundes abzulenken. Die Wirkung des Mediums wird gerade deswegen so stark und eindringlich, weil es wieder ein Medium zum »Inhalt« hat.” (McLuhan 1994, S.37-38).

    Beispiele für Inhalte von Medien
    “Der Inhalt der Schrift ist Sprache, genauso wie das geschriebene Wort Inhalt des Buchdrucks ist und der Druck wieder Inhalt des Telegrafen ist. Auf die Frage: »Was ist der Inhalt der Sprache?« muß man antworten:»Es ist ein effektiver Denkvorgang, der an sich nicht verbal ist« Ein abstraktes Bild stellt eine direkte Äußerung von schöpferischen Denkvorgängen dar, wie sie etwa in Mustern von Elektronenrechnern erscheinen können. Was wir jedoch hier betrachten, sind die psychischen und sozialen Auswirkungen der Muster und Formen, wie sie schon bestehende Prozesse verstärken und beschleunigen. Denn die »Botschaft« des Mediums oder jeder Technik ist die Veränderung des Maßstabs, Tempos oder Schemas, die es der Situation des menschen bringt. Die Eisenbahn hat der menschlichen Gesellschaft nicht Bewegung, Transport oder das Rad oder die Straße gebracht, sondern das Ausmaß früherer menschliche Funktionen vergrößert und beschleunigt und damit vollkommen neue Arten von Städten und neue Arten der Arbeit und Freizeit geschaffen. Und das traf zu, ob nun die Eisenbahn in einer tropischen oder nördlichen Umgebung fuhr, und ist völlig unabhängig von der Fracht oder dem Inhalt des Mediums Eisenbahn” (McLuhan 1994, S.22).

    “Die Botschaft des Mediums Film ist die des Übergangs von linearer Verbindung zur Gestalt” (McLuhan 1994, S.29).

    Quellen:

    • McLuhan, M. (1968). Die Gutenberg-Galaxis – Das Ende des Buchzeitalters. Düsseldorf und Wien: Econ Verlag.
    • McLuhan, M. (1994). Die magischen Kanäle – Understanding Media. Düsseldorf und Wien: ECON.
  • FAQ´s auf marshallmcluhan.com
  • McLuhan neu Lesen, Leseprobe des transcript-Verlags (PDF)

  •