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Artikel-Schlagworte: „Gehirnforschung“

Das Gehirn – ein Beziehungsorgan

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Eine spannende Interpretation neuropsychologischer Erkenntnisse liefert derzeit Thomas Fuchs, Professor für Psychiatrie am Universitäts-Klinikum Heidelberg. Mit seinem Buch “Das Gehirn – Ein Beziehungsorgan” beschreibt er das Gehirn als

Thomas Fuchs

Vermittlungs- und Transformationsinstanz für die vielfältigen Interaktionen von Organismus und Umwelt. Fuchs distanziert sich damit von radikal-konstruktivistischen Positionen wie auch von Formen eines neuropsychologischen Reduktionismus, die den freien Willen des Menschen in Abrede stellen (z.B.: Gerhard Roth und Wolf Singer).

Spannend auch seine Beschreibung des Lernvorgangs: “Im Zuge horizontaler Interaktionen mit der Umwelt werden nämlich wiederkehrende Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster extrahiert und als sensorische, motorische, affektive u.a. Schemata im Gedächtnis des Organismus, in erster Linie im Gehirn niedergelegt. Diese Erfahrunsgbildung betrifft vor allem die neuronalen Strukturen des “impliziten Gedächtnisses” (Fuchs, 2009, S.128) und etwas weiter schreibt er: “Durch implizites Lernen sedimentieren sich wiederkehrende Interaktionen mit der Umwelt in Bereitschaften, Fähigkeiten und Kenntnissen. Dabei vermehrt ein Lebewesen sein implizites Wissen und Können nicht etwa durch Anfüllen eines Informationsspeichers, sondern durch Veränderung seiner organischen Struktur, …” (Fuchs, 2009, ebenda).

In der November-Ausgabe von “brand eins” erläutert Thomas Fuchs seinen Forschungsansatz. “Das Gehirn denkt nicht” lautet der Artikel, der deutlich macht, dass Bildgebende Verfahren in der Hirnforschung keinesfalls der Weisheit letzter Schluss sein können.

Auf der Homepage seines Forschungsvorhabens, dass diesen ganzheitlichen Ansatz in mehreren Teilprojekten wissenschaftlich untersucht, finden sich viele weiterführende Informationen.

  • “brand eins”-Interview mit Thomas Fuchs
  • Homepage des Forschungsvorhabens
  • Bibliographische Angaben zum Buch “Das Gehirn – ein Beziehungsorgan”
  • Wie lernen Menschen?

    Freitag, 20. Februar 2009

    Vielleicht hilft ein Blick in die Tiefenregionen des Hippocampus? Schließlich geht die Gehirnforschung davon aus, dass sich im Hippocampus des erwachsenen Gehirns neue Verbindungen zwischen bestehenden Nervenzellen bilden können. Verbindungen, die direkt mit dem Erwerb neuer Gedächtnisinhalte in Zusammenhang gebracht werden. Ich bin kein Gehirnforscher, aber zur Zeit

    Hippocampus - Virtuelles Präparat - zoombar - Universität des Saarlandes, Prof. Bock

    arbeiten wir hier an einem sehr spannenden Projekt zur Virtuellen Mikroskopie, da liegt es irgendwie nahe, auch mal über den Tellerrand zu lugen. Wenn Ihr Browser über ein aktuelles Flash-Plugin verfügt ( Version 9 oder höher ), können Sie durch Klick auf das Foto, das virtuelle Präparat – ein Schnitt durch den Hippocampus – durchzoomen, wie Sie es z.B. mit Google Earth gewohnt sind.

    Unsere KollegInnen hier aus der Veterinärmedizin verfügen über ein “ScanScope”, mit dem histologische Präparate mit bis zu 400-facher Vergrößerung gescannt werden können, die dann mit Hilfe von “Zoomify” auch im Internet verfügbar gemacht werden können. Das oben gezeigte Präparat stammt von der Universität des Saarlandes: Institut für Anatomie und Zellbiologie.

    Ok, eine Antwort darauf, wie Menschen lernen, lässt sich durch das Durchzoomen vermutlich nicht geben. Ein Blick in die Wikipedia liefert immerhin schon einige grundsätzliche Erläuterungen zu den Lernvorgängen, den Hippocampus betreffend.

    Tiefere Einblicke in die Gehirnforschung werden mir vermutlich die folgenden Bücher geben, die – teilweise noch unberührt – auf meinem Schreibtisch lauern:

    • Kandel, E. R. (2006). Auf der Suche nach dem Gedächtnis. München: Siedler Verlag.
    • Mainzer, K. (1997). Gehirn, Computer, Komplexität. Heidelberg: Springer.
    • Roth, G. (2003). Aus Sicht des Gehirns. Frankfurt: Suhrkamp.
    • Spitzer, M. (2009). Lernen – Gehirnforschung und die Schule des Lebens. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag.