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Artikel-Schlagworte: „Location Based Learning“

Silent Climate Parade Berlin: Innovatives Didaktisches Design, kreativer Medieneinsatz

Freitag, 15. Oktober 2010

[vimeo]http://vimeo.com/15711201[/vimeo]

(1) Video-Mitschnitt der Silent Climate Parade 2010 von Laurent Hoffmann

Ein schönes Beispiel für den Medieneinsatz in selbstorganisierten Lernkontexten ist die “Silent Climate Parade”, auf der ich in diesem Jahr ein Stück mitlaufen konnte. Die Aktion weist einige interessante, reformpädagogisch geprägte Bildungsmerkmale auf, welche einen zweckgerichteten Medieneinsatz innerhalb eines gewählten Didaktischen Designs nahelegen. Die Aktion macht deutlich, warum der “E-Learning”-Begriff zunehmend ungeeignet erscheint, komplexe Lernarrangements zu beschreiben. Gegenüber ganzheitlichen Konzepten sozialen Lernens wirkt “E-Learning” inzwischen zu verengend, geradezu antiquarisch.

Aus der Einsicht, dass ein menschenwürdiges Leben auf unserem Planeten von einer CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre abhängig ist, die zwischen 275 ppm und 350 ppm liegt (ppm: Anzahl von Molekülen in der Atmosphäre pro Millionen) fordern WissenschaftlerInnen und UmweltaktivistenInnen unter der URL www.350.org weltweit dazu auf, lokale Aktionen durchzuführen, die darauf aufmerksam machen, dass die heutige CO2-Konzentration mit ca. 387 ppm deutlich über den maximal zu verkraftenden 350 ppm liegt (Tendenz steigend) und die Erderwärmung dadurch stetig ansteigt. Da die internationale Politik immer wieder ihre Unfähigkeit demonstriert, adäquate Konsequenzen aus diesem Sachverhalt zu ziehen, setzen die Initiatoren auf weltweite Basis-Initiativen, die die offizielle Politik unter Druck setzen. In Berlin griffen Umweltaktivisten, Raver und Studenten diese Aufforderung auf, entwickelten mit der “Silent Climate Parade” ein eigenständiges Aktionskonzept und dokumentierten damit gleichzeitig ein unverkrampftes, zukunftsfähiges Verhältnis zum Lernen.

Zum Podcast bei Sound of Tempelhof

(2) Geotagged Podcast mit der für die Passanten hörbaren Geräuschkulisse,
die während der Parade aufgenommen wurde (Sound of Tempelhof)

Mit diesem Blogbeitrag möchte ich auf die Funktion der Medien im Rahmen derartiger Aktionen hinweisen. Die Silent Climate Parade ist aus meiner Sicht ein gutes Beispiel für anspruchsvolles Didaktisches Design. Mediendidaktisch interpretiert, können hier fünf Bildungsmerkmale den Entscheidungsrahmen der Medienwahl konturieren:

Lernen als das Schaffen neuer Realitäten
Eine tanzende Menge von 350 Personen bewegt sich still über die Straßen, ohne dass Passanten etwas von der rythmusgebenden Musik mitbekommen. Eine neu geschaffene Realität, die Passanten neugierig macht und die die sonstige Öffentlichkeit für dieses Ereignis interessiert. Ganz im Sinne der Projektmethode wird hier eine neue Wirklichkeit erzeugt. Die Neugier der Passanten und der sonstigen Öffentlichkeit soll genutzt werden, um auf die Notwendigkeit der Verminderung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre aufmerksam zu machen. Der Prozess von der Idee bis zur Realisierung der Parade bringt die Macher dazu, sich auf unterschiedlichsten Ebenen mit den Gründen für die Erderwärmung, die möglichen Maßnahmen zur Reduzierung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre und der Vermittlung dieser Forschungsergebnisse, aktiv auseinanderzusetzen.

Lernen durch Handeln
Die Auseinandersetzung mit der CO2-Problematik und den vielfältigen zur Realisierug der Silent Climate Parade erforderlichen Teilaufgaben eröffnen ein breites Handlungsspektrum und damit vielfältige aktive Lerngelegenheiten für jeden Einzelnen der am Projekt beteiligten. Zahlreiche empirische Untersuchungen bestätigen die große Bedeutung des aktiven Handelns für das Lernen.

Lernen durch Lehren
Der Anspruch, die eigenen Erkenntnisse über den Zustand unserer Erdatmosphäre an andere weiterzugeben, erfordert eine ausgiebige Auseinandersetzung mit dem konkreten Sachverhalt unter dem Aspekt, was davon wie gut zu erklären und vermittelbar ist. Dieser aktiven Art der Auseinandersetzung mit Themen wird sowohl in reformpädagogischen Konzepten wie auch in kognitionspsychologischen Untersuchungen große Lernwirksamkeit zugesprochen.

Lernen durch Kommunikation
Inhalte, Planungsschritte, Kampagnen-Meilensteine, Mobilisierung und Umsetzung erfordern vielfältige Formen der Kommunikation mit Mitstreitern, Zielgruppen und Dienstleistern, durch die die Kernsachverhalte unter immer wieder neuen Perspektiven formuliert, durchdacht und angepasst werden müssen. Eine ideale Situation für das menschliche Lernen.

Lernen in Communities of Practice
Der Prozess der sozialen Partizipation in einer Community of Practice macht das Lernen bedeutungsvoll und nachhaltig, da hier nicht in künstlichen Lernumgebungen agiert wird, sondern in der für die Gesellschaft bedeutungsvollen Realität. Fachdidaktische Forschungsergebnisse (Physik im Kontext, Chemie im Kontext) legen nahe, dass die Situiertheit der jeweils individuellen Lernprozesse einen positiven Einfluss auf die intrinsische Motivation der Akteure hat.

Flyer zum »Silent Climate Move 2010«

(3) Flyer, der am Rande der Parade von den Tanzenden an Passanten verteilt wurde

Diese Umrisse eines denkbaren Didaktischen Designs eröffnen vielfältige Möglichkeiten für eine zweckbestimmte Medienwahl. Vier Funktionen des Medieneinsatzes lassen sich bei der Silent Climate Parade identifizieren:

Gemeinsamen Rythmus verfügbar machen
Die Medien, die sich hier anbieten, sind ein klassisches DJ-Set mit zwei Plattenspielern, Mischpult und Audio-Verstärker. Wobei ja bei der Parade die Musik für Passanten nicht hörbar sein soll. Deshalb wird noch für jeden Teilnehmer ein Funkkopfhörer benötigt, sowie ein Sender, der die Musik vom Audio-Verstärker auf die Kopfhörer der Tanzenden überträgt. Da nicht jeder gerade mal 350 Funkkopfhörer zur Verfügung hat, gilt es hier, Sponsoren aufzutun, die diese Technologie zur Verfügung stellen.

Kommunikation mit Passanten herstellen
Die Information neugieriger Passanten kann durch direkte Gespräche erfolgen (der Kopfhörer muss dafür abgesetzt werden …), sowie durch Flyer, die Informationen zur Bedeutung der 350 ppm-Grenze für den CO2-Gehalt der Atmosphäre, den Folgen der Erderwärmung und Möglichkeiten zur Partizipation an Gegenmaßnahmen enthalten. Hierfür erforderliche Medien sind ein Editor zur Gestaltung des Flyers (QuarkXpress, DTP, o.ä.), Drucker und eine Schneidemaschine zur Vervielfältigung der Flyer. Für die Weiterführung der Diskussion auch nach der Veranstaltung wird auf den facebook-Account aufmerksam gemacht, auf dem sich die Community über entsprechende Aktionen und Maßnahmen austauscht.

TeilnehmerInnen mobilisieren
Um für die eigentliche Aktion genügend TeilnehmerInnen zu gewinnen empfielt es sich, die Aktion auf einer Homepage anzukündigen, die über befreundete Online-Netzwerke mit Hilfe von Twitter, facebook und thematisch passenden Blogs verbreitet wird.

Partizipation ermöglichen
Auf der Homepage, wie auch in der facebook-Gruppe wird die Möglichkeit angeboten, sich für die Veranstaltung zu registrieren, die E-Mail-Adresse zu hinterlassen, um zu Vor-Ort-Vorbereitungstreffen eingeladen werden zu können. Darüber hinaus ist es möglich, sich über facebook mit anderen Akteuren über das Vorhaben auszutauschen.

Zur Facebook Seite der »Silent Climate Parade«

(4) Facebook-Seite der Aktion

Sicherlich ist das hier herausgearbeitete Didaktische Design ein Spezialfall, der nur begrenzt auf die Bedingungen institutionellen Lernens übertragen werden kann. Dennoch sind viele der hier aufgeführten Aspekte bei der Planung solcher Lernarrangements von Bedeutung, die sich z.B. auf die Projektmethode, das Forschende Lernen oder andere Methoden selbstorganisierten Lernens beziehen. Bleibt zu hoffen, dass TeilnehmerInnen und Initiatoren der Aktion Verständnis dafür haben, dass ich ihre Veranstaltung hier einmal aus didaktischer Perspektive beleuchtet habe …

Hintegrundinformationen:

  • Projekt-Homepage: Silent Climate Parade
  • Facebook-Seite
  • Podcast mit den für Passanten hörbaren Geräuschen
  • Hintergrundinformationen zum CO2-Gehalt der Atmosphäre
  • Studie (2008): Target Atmospheric CO2: Where should Humanity Aim? (PDF)
  • Mashable-Blogbeitrag zur Bedeutung von Social Media für Soziale Bewegungen
  • Video-Zusammenschnitt der Parade
  • Verwisch die Spuren !

    Donnerstag, 2. September 2010

    Homepage: Verwisch die Spuren !

    Wer sich vom 9. bis zum 12. September zufällig in Berlin aufhält, sollte unbedingt einen Stopover am Areal zwischen Fernsehturm und Schlossplatz einplanen. Dieses Areal ist einem ständigen Wandel unterworfen. Das Berliner Stadtschloss dominierte den Platz bis es abgerissen wurde, der Palast der Republik, das Marx-Engels-Forum und der Fernsehturm als städtebauliche Highlights der DDR gaben dem Areal eine neue Identität. Der Palast der Republik wurde auch abgerissen, übrig bleibt ein spannungsgeladenes Gebiet, das unterschiedliche gesellschaftliche Interessengruppen für sich beanspruchen. “Wie wird diese Landschaft Archäologen in viertausend Jahren erscheinen?” Diese Frage stellt sich das Deutschlandradio Kultur und lädt Klangkünstler und Flaneure mit der Aufforderung “Verwisch die Spuren!” dazu ein, kreative Antworten auf diese Frage zu finden. Per “Radioortung” – eine App für Android Handys – werden innovative Hörspielfragmente zugänglich, die die Gruppe “Ligna” in Auseinandersetzung mit dieser Fragestellung produziert hat. Jedes Hörspielfragment ist über eine eindeutige GPS-Position einem konkreten Ort innerhalb des Areals zugeordnet. Je nach Aufenhaltsort werden auf dem Screen des Handys die jeweiligen Audio-Fragmente sichtbar und können dort angehört werden.

  • Verwisch die Spuren!
  • Die Gruppe Ligna
  • Location Based Learning

    Montag, 30. August 2010

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    Mit den seit einigen Jahren in der Werbebranche boomenden Location Based Services, die Nutzern von GPS-unterstützten Mobil-Applikationen schnelle Informationen über kommerzielle Angebote am aktuellen Aufenthaltsort bieten, sind inzwischen brauchbare Applikationen für Mobil-Telefone entstanden, deren Potenzial auch für pädagogische Anwendungen nutzbar gemacht werden kann. In Kombination mit den vielfältigen Multimedia-Optionen von Mobil-Telefonen bieten sich interessante Möglichkeiten, ortsbezogene Informationen in handlungsorientierten Lehr-Lernszenarien zu nutzen. In Großbritannien gibt es bereits erste Fallstudien, die zeigen dass sich innovative Lehr-Lernkonzepte (Entdeckendes Lernen, Forschendes Lernen, Betonung des Kontextbezugs von Bildungsinhalten) durch diese Funktionen hervorragend medial anreichern lassen. Theoretische Prinzipien können mit dem Ansatz eines Location Based Learnings aktiv, handelnd im Feld anschaulich und begreifbar gemacht werden und gleichzeitig kann diese Erfahrung mit zurückgenommen werden in den Klassenraum um dort analysiert und weiterverarbeitet werden. Die hier vorgestellten Studien der University of Nottingham und dem futurelab zeigen z.B. wie Schüler im Mathematik-Unterricht Winkelfunktionen nutzen um mit Hilfe des GPS-unterstützten Mobiltelefons und der Fotofunktion des Handys die Höhe von Gebäuden bestimmen.

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    Ein anderes Beispiel zeigt wie durch die Überlagerung von Informationen über das Live-Bild einer Ruine im “augmented Moded” des Mobiltelefons, historsiche Gebäudestrukturen analysierbar werden. Ein weiteres bereits weit verbreitetes Anwendungsfeld von GPS ist das GeoCaching. Das ist eine Art weltweite Schnitzeljagd oder Schatzsuche bei der die Geo-Daten jedes Schatzes (Caches) auf Landkarten im Internet veröffentlicht werden. Die Schatzsucher orten den Schatz mit Hilfe ihres Mobil-Telefons und hinterlassen eine Nachricht im beigefügten Tagebuch des Caches, befolgen gegebenfalls bestimmte Anweisungen oder tauschen den Inhalt des Schatzes aus (es gibt viele verschiedene Spielarten). Welweit sind bereits mehrere Millionen GeoCaches versteckt in allen Regionen der Erde. Das CacheWiki gibt einen Überblick und Anleitungen zum Mitspielen. Studien und Informationen zu den genannten Spielarten des Location Based Learnings gibt es in der folgenden Linksammlung:

  • Education in the wild, University of Nottingham, UK (PDF)
  • Mobile, collaborative and location-based learning, futurelab (PDF)
  • Create A Scape (futurelab)
  • Mobimissions (futurelab)
  • CacheWiki mit übersichtlichen Anleitungen zum GeoCaching
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