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Silent Climate Parade Berlin: Innovatives Didaktisches Design, kreativer Medieneinsatz

Freitag, 15. Oktober 2010

(1) Video-Mitschnitt der Silent Climate Parade 2010 von Laurent Hoffmann

Ein schönes Beispiel für den Medieneinsatz in selbstorganisierten Lernkontexten ist die “Silent Climate Parade”, auf der ich in diesem Jahr ein Stück mitlaufen konnte. Die Aktion weist einige interessante, reformpädagogisch geprägte Bildungsmerkmale auf, welche einen zweckgerichteten Medieneinsatz innerhalb eines gewählten Didaktischen Designs nahelegen. Die Aktion macht deutlich, warum der “E-Learning”-Begriff zunehmend ungeeignet erscheint, komplexe Lernarrangements zu beschreiben. Gegenüber ganzheitlichen Konzepten sozialen Lernens wirkt “E-Learning” inzwischen zu verengend, geradezu antiquarisch.

Aus der Einsicht, dass ein menschenwürdiges Leben auf unserem Planeten von einer CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre abhängig ist, die zwischen 275 ppm und 350 ppm liegt (ppm: Anzahl von Molekülen in der Atmosphäre pro Millionen) fordern WissenschaftlerInnen und UmweltaktivistenInnen unter der URL www.350.org weltweit dazu auf, lokale Aktionen durchzuführen, die darauf aufmerksam machen, dass die heutige CO2-Konzentration mit ca. 387 ppm deutlich über den maximal zu verkraftenden 350 ppm liegt (Tendenz steigend) und die Erderwärmung dadurch stetig ansteigt. Da die internationale Politik immer wieder ihre Unfähigkeit demonstriert, adäquate Konsequenzen aus diesem Sachverhalt zu ziehen, setzen die Initiatoren auf weltweite Basis-Initiativen, die die offizielle Politik unter Druck setzen. In Berlin griffen Umweltaktivisten, Raver und Studenten diese Aufforderung auf, entwickelten mit der “Silent Climate Parade” ein eigenständiges Aktionskonzept und dokumentierten damit gleichzeitig ein unverkrampftes, zukunftsfähiges Verhältnis zum Lernen.

Zum Podcast bei Sound of Tempelhof

(2) Geotagged Podcast mit der für die Passanten hörbaren Geräuschkulisse,
die während der Parade aufgenommen wurde (Sound of Tempelhof)

Mit diesem Blogbeitrag möchte ich auf die Funktion der Medien im Rahmen derartiger Aktionen hinweisen. Die Silent Climate Parade ist aus meiner Sicht ein gutes Beispiel für anspruchsvolles Didaktisches Design. Mediendidaktisch interpretiert, können hier fünf Bildungsmerkmale den Entscheidungsrahmen der Medienwahl konturieren:

Lernen als das Schaffen neuer Realitäten
Eine tanzende Menge von 350 Personen bewegt sich still über die Straßen, ohne dass Passanten etwas von der rythmusgebenden Musik mitbekommen. Eine neu geschaffene Realität, die Passanten neugierig macht und die die sonstige Öffentlichkeit für dieses Ereignis interessiert. Ganz im Sinne der Projektmethode wird hier eine neue Wirklichkeit erzeugt. Die Neugier der Passanten und der sonstigen Öffentlichkeit soll genutzt werden, um auf die Notwendigkeit der Verminderung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre aufmerksam zu machen. Der Prozess von der Idee bis zur Realisierung der Parade bringt die Macher dazu, sich auf unterschiedlichsten Ebenen mit den Gründen für die Erderwärmung, die möglichen Maßnahmen zur Reduzierung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre und der Vermittlung dieser Forschungsergebnisse, aktiv auseinanderzusetzen.

Lernen durch Handeln
Die Auseinandersetzung mit der CO2-Problematik und den vielfältigen zur Realisierug der Silent Climate Parade erforderlichen Teilaufgaben eröffnen ein breites Handlungsspektrum und damit vielfältige aktive Lerngelegenheiten für jeden Einzelnen der am Projekt beteiligten. Zahlreiche empirische Untersuchungen bestätigen die große Bedeutung des aktiven Handelns für das Lernen.

Lernen durch Lehren
Der Anspruch, die eigenen Erkenntnisse über den Zustand unserer Erdatmosphäre an andere weiterzugeben, erfordert eine ausgiebige Auseinandersetzung mit dem konkreten Sachverhalt unter dem Aspekt, was davon wie gut zu erklären und vermittelbar ist. Dieser aktiven Art der Auseinandersetzung mit Themen wird sowohl in reformpädagogischen Konzepten wie auch in kognitionspsychologischen Untersuchungen große Lernwirksamkeit zugesprochen.

Lernen durch Kommunikation
Inhalte, Planungsschritte, Kampagnen-Meilensteine, Mobilisierung und Umsetzung erfordern vielfältige Formen der Kommunikation mit Mitstreitern, Zielgruppen und Dienstleistern, durch die die Kernsachverhalte unter immer wieder neuen Perspektiven formuliert, durchdacht und angepasst werden müssen. Eine ideale Situation für das menschliche Lernen.

Lernen in Communities of Practice
Der Prozess der sozialen Partizipation in einer Community of Practice macht das Lernen bedeutungsvoll und nachhaltig, da hier nicht in künstlichen Lernumgebungen agiert wird, sondern in der für die Gesellschaft bedeutungsvollen Realität. Fachdidaktische Forschungsergebnisse (Physik im Kontext, Chemie im Kontext) legen nahe, dass die Situiertheit der jeweils individuellen Lernprozesse einen positiven Einfluss auf die intrinsische Motivation der Akteure hat.

Flyer zum »Silent Climate Move 2010«

(3) Flyer, der am Rande der Parade von den Tanzenden an Passanten verteilt wurde

Diese Umrisse eines denkbaren Didaktischen Designs eröffnen vielfältige Möglichkeiten für eine zweckbestimmte Medienwahl. Vier Funktionen des Medieneinsatzes lassen sich bei der Silent Climate Parade identifizieren:

Gemeinsamen Rythmus verfügbar machen
Die Medien, die sich hier anbieten, sind ein klassisches DJ-Set mit zwei Plattenspielern, Mischpult und Audio-Verstärker. Wobei ja bei der Parade die Musik für Passanten nicht hörbar sein soll. Deshalb wird noch für jeden Teilnehmer ein Funkkopfhörer benötigt, sowie ein Sender, der die Musik vom Audio-Verstärker auf die Kopfhörer der Tanzenden überträgt. Da nicht jeder gerade mal 350 Funkkopfhörer zur Verfügung hat, gilt es hier, Sponsoren aufzutun, die diese Technologie zur Verfügung stellen.

Kommunikation mit Passanten herstellen
Die Information neugieriger Passanten kann durch direkte Gespräche erfolgen (der Kopfhörer muss dafür abgesetzt werden …), sowie durch Flyer, die Informationen zur Bedeutung der 350 ppm-Grenze für den CO2-Gehalt der Atmosphäre, den Folgen der Erderwärmung und Möglichkeiten zur Partizipation an Gegenmaßnahmen enthalten. Hierfür erforderliche Medien sind ein Editor zur Gestaltung des Flyers (QuarkXpress, DTP, o.ä.), Drucker und eine Schneidemaschine zur Vervielfältigung der Flyer. Für die Weiterführung der Diskussion auch nach der Veranstaltung wird auf den facebook-Account aufmerksam gemacht, auf dem sich die Community über entsprechende Aktionen und Maßnahmen austauscht.

TeilnehmerInnen mobilisieren
Um für die eigentliche Aktion genügend TeilnehmerInnen zu gewinnen empfielt es sich, die Aktion auf einer Homepage anzukündigen, die über befreundete Online-Netzwerke mit Hilfe von Twitter, facebook und thematisch passenden Blogs verbreitet wird.

Partizipation ermöglichen
Auf der Homepage, wie auch in der facebook-Gruppe wird die Möglichkeit angeboten, sich für die Veranstaltung zu registrieren, die E-Mail-Adresse zu hinterlassen, um zu Vor-Ort-Vorbereitungstreffen eingeladen werden zu können. Darüber hinaus ist es möglich, sich über facebook mit anderen Akteuren über das Vorhaben auszutauschen.

Zur Facebook Seite der »Silent Climate Parade«

(4) Facebook-Seite der Aktion

Sicherlich ist das hier herausgearbeitete Didaktische Design ein Spezialfall, der nur begrenzt auf die Bedingungen institutionellen Lernens übertragen werden kann. Dennoch sind viele der hier aufgeführten Aspekte bei der Planung solcher Lernarrangements von Bedeutung, die sich z.B. auf die Projektmethode, das Forschende Lernen oder andere Methoden selbstorganisierten Lernens beziehen. Bleibt zu hoffen, dass TeilnehmerInnen und Initiatoren der Aktion Verständnis dafür haben, dass ich ihre Veranstaltung hier einmal aus didaktischer Perspektive beleuchtet habe …

Hintegrundinformationen:

  • Projekt-Homepage: Silent Climate Parade
  • Facebook-Seite
  • Podcast mit den für Passanten hörbaren Geräuschen
  • Hintergrundinformationen zum CO2-Gehalt der Atmosphäre
  • Studie (2008): Target Atmospheric CO2: Where should Humanity Aim? (PDF)
  • Mashable-Blogbeitrag zur Bedeutung von Social Media für Soziale Bewegungen
  • Video-Zusammenschnitt der Parade
  • Location Based Learning

    Montag, 30. August 2010

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    Mit den seit einigen Jahren in der Werbebranche boomenden Location Based Services, die Nutzern von GPS-unterstützten Mobil-Applikationen schnelle Informationen über kommerzielle Angebote am aktuellen Aufenthaltsort bieten, sind inzwischen brauchbare Applikationen für Mobil-Telefone entstanden, deren Potenzial auch für pädagogische Anwendungen nutzbar gemacht werden kann. In Kombination mit den vielfältigen Multimedia-Optionen von Mobil-Telefonen bieten sich interessante Möglichkeiten, ortsbezogene Informationen in handlungsorientierten Lehr-Lernszenarien zu nutzen. In Großbritannien gibt es bereits erste Fallstudien, die zeigen dass sich innovative Lehr-Lernkonzepte (Entdeckendes Lernen, Forschendes Lernen, Betonung des Kontextbezugs von Bildungsinhalten) durch diese Funktionen hervorragend medial anreichern lassen. Theoretische Prinzipien können mit dem Ansatz eines Location Based Learnings aktiv, handelnd im Feld anschaulich und begreifbar gemacht werden und gleichzeitig kann diese Erfahrung mit zurückgenommen werden in den Klassenraum um dort analysiert und weiterverarbeitet werden. Die hier vorgestellten Studien der University of Nottingham und dem futurelab zeigen z.B. wie Schüler im Mathematik-Unterricht Winkelfunktionen nutzen um mit Hilfe des GPS-unterstützten Mobiltelefons und der Fotofunktion des Handys die Höhe von Gebäuden bestimmen.

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    Ein anderes Beispiel zeigt wie durch die Überlagerung von Informationen über das Live-Bild einer Ruine im “augmented Moded” des Mobiltelefons, historsiche Gebäudestrukturen analysierbar werden. Ein weiteres bereits weit verbreitetes Anwendungsfeld von GPS ist das GeoCaching. Das ist eine Art weltweite Schnitzeljagd oder Schatzsuche bei der die Geo-Daten jedes Schatzes (Caches) auf Landkarten im Internet veröffentlicht werden. Die Schatzsucher orten den Schatz mit Hilfe ihres Mobil-Telefons und hinterlassen eine Nachricht im beigefügten Tagebuch des Caches, befolgen gegebenfalls bestimmte Anweisungen oder tauschen den Inhalt des Schatzes aus (es gibt viele verschiedene Spielarten). Welweit sind bereits mehrere Millionen GeoCaches versteckt in allen Regionen der Erde. Das CacheWiki gibt einen Überblick und Anleitungen zum Mitspielen. Studien und Informationen zu den genannten Spielarten des Location Based Learnings gibt es in der folgenden Linksammlung:

  • Education in the wild, University of Nottingham, UK (PDF)
  • Mobile, collaborative and location-based learning, futurelab (PDF)
  • Create A Scape (futurelab)
  • Mobimissions (futurelab)
  • CacheWiki mit übersichtlichen Anleitungen zum GeoCaching
  • lbl-03

    Update: Volltextarchiv Mediendidaktik

    Mittwoch, 14. April 2010

  • Allgemeine Didaktik [G]
  • Bildung [G]
  • Computer [G]
  • Dewey [G]
  • E-Learning [G]
  • E-Portfolio [G]
  • Erfahrung [G]
  • Erkenntnis [G]
  • Fachdidaktik [G]
  • Forschungsdesign [G]
  • Gehirnforschung [G]
  • Hochschuldidaktik [G]
  • Hochschule [G]
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  • Konstruktivismus [G]
  • Lehr-Lernforschung [G]
  • Lernen [G]
  • Mediendidaktik [G]
  • Medienkompetenz [G]
  • Medientheorie [G]
  • Netzwerktheorie [G]
  • Open Educational Ressources [G]
  • Personal Learning Environments [G]
  • Philosophie [G]
  • Physikdidaktik [G]
  • Produktorientiertes Lernen [G]
  • Psychologie [G]
  • Reformpädagogik [G]
  • Selbstlernen [G]
  • Selbstorganisation [G]
  • Soziale Vernetzung [G]
  • Urheberrecht [G]
  • Webgestützte Werkzeuge [G]
  • Wissen [G]
  • Wissenschaftliches Arbeiten [G]
  • Wissensmanagement [G]

  • Studien im Bereich E-Learning und Bildung [G]
  • Nach einem Update des Volltextarchivs, das aktuell 315 Artikel und Bücher umfasst, habe ich für Interessierte alle öffentlich verfügbaren Volltexte (PDF´s) herausgefiltert. Durch Klicken auf eines der oben aufgelisteten Schlagwörter öffnet sich eine Liste mit den zu diesem Schlagwort verfügbaren Artikeln. Ein Klick auf den schwarzen Pfeil am rechten Rand dieser Liste (Spalte: Verweise) öffnet den jeweiligen Volltext als PDF.

    Hinter jedem Schlagwort befindet sich der Link [G], ein Klick hierauf öffnet eine Liste mit dem Gesamtbestand an Volltexten zu diesem Schlagwort, die jedoch nicht alle öffentlich verfügbar sind.

    Eigene Suchen im Gesamtbestand können nach beliebigen Kriterien aufgerufen werden und können auch als RSS-Feed abonniert werden.

    Suchmaske im Volltextarchiv Mediendidaktik: Suchmaske

    Für Hinweise auf öffentlich zugängliche Artikel zu diesen Schlagwörtern bin ich immer dankbar und nehme sie gerne in das Archiv auf.

    E-Learning als eigenständiges Konstrukt ist überflüssig geworden …

    Dienstag, 16. Februar 2010

    play video

    Das Video auf e-teaching.org: 36. Statement zum E-Learning

    Kürzlich habe ich die Sammlung “100 Meinungen zum E-Learning” auf E-teaching.org durch einen eigenen Beitrag ergänzt. Es fiel mir nicht gerade leicht, in 90 Sekunden das auf den Punkt zu bringen, was mich in meiner Arbeit bewegt. Vielleicht als Ergänzung meines etwas stockigen Video-Statements ein paar Anmerkungen, die mir persönlich wichtig sind:

    Aus meiner Sicht ist es nicht in erster Linie die Technologie, die unser Lernen voranbringt sondern die Haltung und Motivation, mit der sich Lernende aktiv ihr Wissen aneignen. Wir als Lehrende sollten uns daher als erstes darum bemühen, Bedingungen zu schaffen, in denen Lernende vielfältige Möglichkeiten bekommen, dies aktiv zu tun. Welche Medien wir hierbei vorschlagen oder verfügbar machen, kann von Fall zu Fall entschieden werden.

    Wir, die wir viel Spaß daran haben, in Online-Communities zu agieren, sollten uns als Experten in diesem Bereich nützlich machen, indem wir eine exemplarische Praxis entwickeln und dokumentieren. Um den Funken auf die große Mehrheit der professionell mit Bildung befassten Kolleginnen und Kollegen überspringen zu lassen, braucht es realistische und übertragbare Beispiele. Dabei sind die Anforderungen an die Medien von Zielgruppe zu Zielgruppe und von Themengebiet zu Themengebiet verschieden. Und wenn der Funke nicht überspringt, dann ist das auch kein Problem. Nicht immer ist das digitale Medium das Medium der Wahl, auch das Web 2.0 ist kein Allheilmittel.

    Im Stile der Zeugen Jehovas zu missionieren, den Paradigmenwechsel herbeizutwittern oder aus den Stellungsgräben der Blogosphäre, im Kleinkrieg mit den Feuilletonisten die Avantgarde zu spielen, bringt niemanden weiter.

    Alles was zählt, ist die Begeisterung für das Lernen.

    Öffentliche Wissenschaft

    Mittwoch, 7. Oktober 2009

    Mein letzter Beitrag zur Auswertung der diesjährigen GMW-Tagung hat für eine nicht ganz unerhebliche Öffentlichkeit gesorgt. Die Diskussion in der Blogger-Community einiger Aspekte meiner Auswertung hat mir hilfreiche Hinweise geliefert zur Formulierung des Forschungsstandes meines Dissertationsvorhabens (Produktorientiertes Lernen mit webgestützten Werkzeugen).

    Foto: Mike Scoltock

    Insbesondere die Hinweise von Gabi Reinmann und Rolf Schulmeister haben mir die Notwendigkeit deutlich gemacht, meine Begriffe bei der Formulierung von Thesen und Sachverhalten zu schärfen und vor allem möglichst nicht verkürzt darzustellen. Zugegebenermaßen kann eine Überschrift mit dem Titel “Lernen als beobachtbare Verhaltensänderung” leicht den Eindruck erwecken, als wollte ich dem Behaviorismus wieder zu neuem Glanz verhelfen. Dem ist natürlich keinesfalls so, wie Abonnenten meines Blogs vermutlich wissen. Natürlich werde ich in meiner Arbeit dem Begriff des Lernens ein eigenes Kapitel widmen. Eckpunkte werden hier sein: der reformpädagogische Ansatz John Deweys, die erkenntnistheoretischen Positionen von Watzlawick und Ernst von Glasersfeld (Konstruktivismus), entwicklungspsychologische Konzepte von Vygotskij und Piaget, kognitionspsychologische Ansätze von Bandura bis Gerhard Roth und neurobiologische Konzepte von Maturana, Varela und Kandel aber eben auch der Behaviorismus Skinners.

    Was aber in meinem Dissertationsvorhaben auch deutlich zu machen sein wird, ist, dass Lehrende in der Praxis vor der Situation stehen, verbindlich und verantwortungsvoll zu agieren. Studierende erwarten berechtigterweise nicht nur von ihren KommilitonInnen, sondern gerade auch von den Lehrenden Feedback bezüglich ihrer Lernfortschritte. Und dieses Feedback können wir nur auf Grundlage beobachteten Verhaltens oder daraus resultierender Produkte geben. Das bedeutet es genügt nicht, Lernen in der Theorie zu verstehen, wir müssen auch verstehen, was Lernen ganz praktisch bedeutet. Und deshalb ist es für jeden Lernenden aber in besonderem Maße auch für jeden Lehrenden erfoderlich das komplexe wissenschaftliche Wissen bezüglich der unterschiedlichen Lerntheorien herunterzubrechen auf das konkrete Handeln im Unterricht. Die Vorstellungen vom Lernen, die Lehrende im Hinterkopf haben, haben einen wesentlichen Einfluss auf die Interpretation ihrer jeweiligen Praxis. Hierzu hat David Kember 1997 recht spannende Untersuchungen vorgelegt: “A Reconceptualisation of the Research into University Academics´Conceptions of Teaching“. Und da sind wir dann wieder bei der offensichtlich so ungeliebten Didaktik, als wesentlichem Ort einer Theorie-Praxisreflexion. Wichtige Eckpunkte der Didaktik wären für mich Klafkis Bildungstheoretische Konzepte, das Berliner Modell von Heimann/Otto/Schulz, die Konstruktivistische Didaktik von Kersten Reich, die ja stark an reformpädagogischen Konzepten John Deweys orientiert ist, der Community of Practice – Ansatz von Etienne Wenger und die aktuellen Impulse aus den Fachdidaktiken zum Aufbau einer Vermittlungswissenschaft.

    Die Perspektive der Lernenden
    Ziel und Ausgangspunkt meines Vorhabens ist es letztendlich, die Perspektive der Lernenden in den Mittelpunkt einer zukünftigen Mediendidaktik zu stellen und damit einen Diskurs anzuregen, der Wege aufzeigen kann, die Mediendidaktik wieder pädagogisch zu fundieren. Auf der Strecke bleibt bei dieser Diskussion vermutlich der E-Learning-Begriff (wie es sich ja bereits in den aktuellen Diskussionen rund um die GMW-2009 andeutet), da dieser in seinen vielfältigen Ausprägungen eher für eine technologische Verengung des Lernens steht.

    Weiterhin zu klären bleiben noch der Kompetenzbegriff, worauf mich auch Gabi Reinmann hingewiesen hat und der Begriff der Medienkompetenz, der ja in seiner klassischen Form die Bedeutung der Werkzeugcharaktere des Computers nicht berücksichtigt.

    So betreibe ich hier ein öffentliches Nachdenken über meine wissenschaftliche Arbeit, womit ich wie man gesehen hat, mich auch angreifbar mache. Meine bisherige Erfahrung mit dieser Art des Forschens ist dennoch durchweg positiv, da ich bereits im Entstehungsprozess der Arbeit wirklich reichhaltige und spezifische Kontakte, Hinweise, Links und Dokumente erhalte, auf die ich bei der Ausarbeitung im stillen Kämmerlein möglicherweise nicht gestoßen wäre. Natürlich stelle ich meine Funde und Entdeckungen im Zuge dieser Recherche auch öffentlich zur Verfügung, soweit dies rechtlich möglich ist. Auf meine Volltext-Sammlung zur Mediendidaktik lässt sich hier jederzeit zugreifen: Volltextsammlung Mediendidaktik.

    Insofern bedanke ich mich hiermit schon mal bei meinen Kritikern aber vor allem auch bei denen, die mir bisher so viel positives Feedback gegeben haben. Ich bin gespannt auf den weiteren Diskurs.

    Eine Renaissance der Hochschuldidaktik ? GMW 2009

    Sonntag, 27. September 2009

    Nachdem sich die ersten Wogen der GMW – Jahrestagung 2009 etwas geglättet haben und die hervorragende Tagungsorganisation durch Nicolas Apostolopoulos und sein Team für eine vielfältige Diskussion der Ergebnisse im Internet gesorgt hat, sollen hier – vor dem Hintergrund der verschiedenen online verfügbaren Tagungsrückblicke – Perspektiven herausgearbeitet werden, die aus meiner Sicht das mediengestützte Lernen an unseren Universitäten in Zukunft prägen könnten.


    1. E-Learning am Scheideweg?

    Viele Aspekte wurden bereits in den einschlägigen Blogs unseres Arbeitsfelds diskutiert (eine ausführliche Link-Liste findet sich am Ende des Beitrags). Twitter ist plötzlich in aller Munde, nützlich im Alltag, bei BarCamps und zur Organisation von Flashmobs und Tagungen. Für das mediengestützte Lernen hat Twitter aus meiner Sicht nur begrenzte Bedeutung. Die spannendste Diskussion zur GMW-Tagung wurde für mich durch Gudrun Bachmann und KollegInnen entfacht, die sich mit ihrem Tagungsbeitrag für die Abschaffung des E-Learning-Begriffs einsetzten. Die ReferentInnen berichteten von den guten Erfahrungen mit der Implementation von “E-Learning-freien” Lernarrangements an den Instituten der Universität Basel, in denen statt dessen die “Neuen Medien” ganz pragmatisch und kontextspezifisch eingesetzt wurden. Diese Erfahrungen kann ich aus meiner Zeit als E-Learning Berater an der Freien Universität Berlin voll und ganz bestätigen. Da wo wir uns nützlich machten, indem wir für ein spezifisches Anliegen das passende Medienangebot bereitstellten, wurde dieses von Lehrenden dankbar aufgenommen. Nur da, wo das bolidenhafte Learning Management System (bei uns: Blackboard) als Allheilmittel für alle didaktischen Anliegen “promoted” wurde, stießen wir – berechtigterweise – auf zähen Widerstand der Lehrenden, die das LMS bestenfalls als – bereits viel zitierte – “PDF-Schleuder” nutzten. Gabi Reinmann fragt sich in ihrem Blog – bezugnehmend auf die von den Baseler KollegInnen vorgetragene Position, ob das E-Learning an einem Scheidepunkt angekommen sei. Sie plädiert dennoch ausdrücklich dafür, am E-Learning-Begriff festzuhalten, weil sie den Begriff des Lernens – hinsichtlich seiner Interpretation durch Lehrende – für genauso unspräzise hält wie den Begriff des E-Learnings. Mir geht es an diesem Punkt ganz eindeutig anders.


    2. Lernen als beobachtbare Verhaltensänderung

    Bereits seit der Einführung des E-Learning-Begriffs Ende der Neunziger Jahre ist er mir suspekt. Der Begriff der E-Mail dagegen war mir z.B. schon immer plausibel, weil mit dem “E” das elektronische Pendant des herkömmlichen Briefs bezeichnet wird. Nur was wäre ein elektronisches Pendant zum Lernen? Der Prozess, der in einem mit dem Computer verdrahteten Gehirn abläuft? Das wäre sicher eine gute SciFi-Karikatur, aber mit der Realität hat das wenig zu tun. Für das menschliche Lernen gibt es keine digitale Alternative. Lernen ist unter psychologischer Perspektive – quer zu den unterschiedlichen Lerntheorien – ein wohl definierter und in der Fachwelt respektierter Begriff. Egal ob er aus behavioristischer, kognitivistischer oder erkenntnistheoretischer Perspektive interpretiert wird. Mit Lernen bezeichnen wir immer eine Verhaltensänderung des Menschen. Und genau diese, durch Beobachtung überprüfbare Verhaltensänderung, macht den Begriff des Lernens so wertvoll. Denn im Gegensatz zum eher prekären Begriff des Wissens, der ja immer etwas virtuelles bezeichnet, sind Verhaltensänderungen von den Lernenden selbst, wie auch von den Lehrenden, beobachtbar. Erst diese Möglichkeit, solche Prozesse beobachten zu können, eröffnet uns die Möglichkeit, Kompetenzen zu beschreiben und in der Unterrichtssituation mit diesen Kompetenzen umzugehen. Aus diesem Grunde ist und bleibt für mich der Begriff des Lernens der zentrale Begriff, wenn es darum geht, Vermittlungsprozesse in Schule und Hochschule anzuregen, zu organisieren und zu erforschen.

    Ein weiterer recht breiter Konsens, der in der psychologischen Forschung bezüglich des Lernens anzutreffen ist, ist der, dass es prinzipiell nicht möglich ist, (Erfahrungs-) Wissen von einem Gehirn in ein anderes zu transferieren, wie man das z.B. von einem Upload am Computer kennt. Vielmehr ist immer ein Medium erforderlich, mit dem die das Wissen konstituierenden Informationen dargestellt werden können, um dann vom Gegenüber verarbeitet, behandelt, verstanden, akkommodiert, oder in ein mentales Modell übernommen werden zu können. Das bedeutet: Lernen ohne Medien ist prinzipiell nicht möglich.


    3. E-Learning unterfordert Lernende

    Damit wird klar: der Ruf nach Abschaffung des E-Learnings kann kein Ruf nach Abschaffung der Medien sein. Im Gegenteil: Es ist ein Ruf nach Befreiung aus dem engen Korsett technologisch interpretierter Bildungsmaßnahmen. E-Learning unterfordert die Lernenden, weil mit strukturgebenden digitalen Lernumgebungen herkömmlicher Art (Learning Management Systeme, Web Based Trainings, Testumgebungen, 3D-Welten) nur ein geringer Bruchteil menschlicher Handlungs- und Interaktionsmöglichkeiten angesprochen wird. Die Komplexität des menschlichen Gehirns erfordert offene, flexible und anregende Lernumgebungen. Gemeint sind damit Räume, Menschen, Objekte, Orte im realen wie im virtuellen Raum, die sich nicht auf das Geschehen an einem Computer-Monitor einengen lassen. Lernende und Lehrende sollten in Zukunft von Fall zu Fall entscheiden können, welche Medien für einen bestimmten Erarbeitungs- oder Kommunikationsprozess am besten geeignet sind. Es spricht nichts prinzipiell gegen Tafel und Kreide aber auch nichts gegen das Mobil-Telefon oder den Computer. Wir brauchen die Medien! Und: jede Zeit nutzt die Medien, die ihr zur Verfügung stehen. In unserer Zeit sind dies eben a u c h ! der Computer und die vielen Web 2.0 – Werkzeuge. Dabei sollten wir die Bedeutung dieser Werkzeuge für das Lernen in Schule und Hochschule nicht überbewerten und mystifizieren, wie das gerne von den Vertretern einer angeblichen Generation “Digital Natives” getan wird. Rolf Schulmeister belegte empirisch in seinem Beitrag zur GMW-Tagung, dass die heutigen Studierenden eher pragmatisch mit den ihnen zur Verfügung stehenden Online-Tools umgehen (Schulmeister, 2009, S. 129-140).


    4. Verortung einer Neuen Mediendidaktik

    Natürlich ist der Streit um Begriffe nur ein Nebenkriegsschauplatz. Im Grunde geht es eben nicht nur um die Abschaffung des E-Learning-Begriffs sondern vielmehr um eine notwendige Fokussierung auf das Lernen an sich. Es geht darum, den durch das E-Learning ins Stocken geratenen Entwicklungsfluss medienpädagogischer Innovationen wieder in Gang zu setzen. Die immer wieder vollmundig versprochenen Revolutionen des Lernens durch den Computer haben bis heute nicht stattgefunden. Nicht etwa, weil die Lehrer an den Schulen und Hochschulen nicht fortschrittlich genug wären, sondern vielmehr weil viele von ihnen berechtigte Zweifel daran haben, der Verantwortung gegenüber den ihnen anvertrauten Lernenden gerecht werden zu können, wenn sie die nach wie vor zu umständlichen E-Learning-Lösungen (siehe z.B. LMS wie Blackboard oder Moodle) einsetzen.

    Mediengestütztes Lernen braucht eine professionelle pädagogische Einbettung, die sicherstellt, dass die Perspektive der Lernenden im Zentrum aller planerischen Aktivitäten im Bildungskontext stehen. Die interdisziplinär zusammengesetzte E-Learning-Gemeinde und zum Teil auch die Mediendidaktik hat diese klare Orientierung weitgehend aus den Augen verloren. Deshalb schließe ich mich der Auffassung Michael Klebels an, der in einem Artikel zur “Entgrenzung durch Medien” die Notwendigkeit beschreibt, die Mediendidaktik als wissenschaftliche Disziplin (in Abgrenzung zum “Instructional Design”) zukünftig in der Allgemeinen Didaktik zu verorten (Klebl, 2006, S.15). Es ließe sich hier gut anknüpfen an Überlegungen, die Michael Kerres und Claudia de Witt bereits im Jahr 2002 veröffentlicht haben. Mit dem Artikel “Mediendidaktik quo vadis?” wiesen sie insbesondere auf die reformpädagogischen Ansätze John Deweys hin (Kerres&DeWitt, 2002, S. 1-22), die aus meiner sicht für die Allgemeine Didaktik nach wie vor von großer Bedeutung sind. Ein konstruktiver Diskurs zwischen den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zu diesen Fragen ist überfällig. Möglicherweise könnte auch die Debatte in den Fachdidaktiken zum Aufbau einer Vermittlungswissenschaft hilfreiche Impulse geben (Welbers, 2003).


    5. Klotz am Bein: die klassische E-Learning-Industrie

    Hierbei erweist sich allerdings die klassische E-Learning-Industrie als deutlicher Klotz am Bein, wie man im Ausstellungsbereich der GMW-Tagung feststellen konnte. In Bezug auf die komplexen Zusammenhänge menschlichen Lernens stößt man hier häufig auf eklatante Wissenslücken, die sich leider auch in den von ihnen angepriesenen E-Learning-Produkten widerspiegeln. Mit den drastisch sinkenden Besucherzahlen auf den Branchen-Treffs (z.B. Learntec) stehen diese Unternehmen deutlich unter Druck, da sie nicht flexibel genug auf die durch den Web 2.0 Hype angestoßenen Impulse für ein soziales, demokratisches Lernen reagieren können. Ihre bolidenhaften Systeme sind meist zu komplex, zu hierarchisch strukturiert und zu schwerfällig, um in der alltäglichen pädagogischen Praxis eine zentrale Bedeutung einnehmen zu können. Andrea Back beschreibt diese Situation in ihrem Blog als eine durch das Web 2.0 hervorgerufene “disruptive Innovation” (Back, 2009).


    6. Projektarbeit und inneruniversitäre Partnerschaften

    Unabhängig vom dringend zu führenden Diskurs über die pädagogische Verankerung des mediengestützten Lernens gibt es bereits an einigen Hochschulen Intiativen, die in eine neue Richtung weisen. Das Augsburger Begleitstudium zum Beispiel, das auf der GMW-Tagung vorgestellt wurde, ist ein wunderbares Exempel dafür, wie anspruchsvolle Projektarbeit an unseren Hochschulen initiiert und begleitet und damit die Kompetenzentwicklung der Studierenden vorangebracht werden kann. Hier steht ganz offensichtlich die Perspektive der Lernenden im Mittelpunkt. Medien werden zweckgebunden und spezifisch dort eingesetzt, wo sie eine klare didaktische Funktion erfüllen. Der E-Learning-Begriff wäre hier im Grunde überflüssig. Die Projektmethode im Sinne des reformpädagischen Ansatzes John Deweys, der Communities of Practice Ansatz von Etienne Wenger kombiniert mit innovativen Konzepten des Medieneinsatzes würden hier genügen, um dieses Vorhaben erschöpfend zu beschreiben. Für mich war die Präsentation dieses Projektes der Höhepunkt der diesjährigen GMW-Tagung und ein möglicher Ausblick auf eine innovative Zukunft der Hochschullehre. So sah das offensichtlich auch die Mehrheit des GMW-Publikums, das dem Projekt den Publikumspreis des Medida-Prix verlieh. Die Jury des Medida-Prix sah das jedoch anders. Gewinner des eigentlichen Medida-Prix 2009 waren zwei eher klassische E-Learning-Projekte, denen der Preis natürlich zu gönnen ist. Aber die Chance mit dem Preis auch innovationsfördernd und richtungsweisend zu wirken, wurde leider verpasst.


    7. Ein Riss durch die Community

    Michael Kerres stellte sich in seinem Blog unmittelbar nach der Tagung die Frage, ob unter den Teilnehmern ein Bruch sichtbar wird, etwa zwischen der jüngeren und der älteren Generation unseres Arbeitsfeldes. Auch für mich ist ein gewisser Riss wahrnembar, aber aus meiner Sicht zieht er sich eher entlang der Frage, ob Lehren und Lernen aus der technologischen Perspektive betrachtet wird oder aus der pädagogischen. Und hier wurde für mich tatsächlich ein Trend erkennbar: Technologische Fragestellungen sind gegenüber pädagogischen deutlich in den Hintergrund gerückt und aus meiner Sicht geht tatsächlich auch die jüngere Generation entspannter mit dem Begriff Pädagogik um als die Ältere.

    Spätestens während der hochkarätig besetzten, abschließenden Podiumsdiskussion der Tagung wurde der Riss spürbar. Eine Diskussion mit dem Publikum gab es leider nicht und auch die aktive Twitter-Community konnte dieses Manko nicht wirklich Wett machen.

    Eine treffende Dokumentation der aufgeworfenen Fragen hat Gabi Reinmann in ihrem Blog veröffentlicht. Das einzige Schlagwort der Diskussion, das mir in Erinnerung bleibt ist das “Semantische Web”, dem offensichtlich eine große Zukunft im Kontext des E-Learnings vorausgesagt wird. Warum, ist mir wirklich schleierhaft, denn das Semantische Web liefert doch im besten Fall eine bessere Suchfunktion und eine optimierte Kommunikation zwischen Maschinen. Alles Faktoren, die mit den konkreten Verhaltensänderungen und den Kompetenzen der Lernenden recht wenig zu tun haben. Da kommt einem die grandiose Frage von Joachim Hasebrook in den Sinn: “Brauchen Computer zum Lernen eigentlich noch Menschen?” (Hasebrook, 2009)


    8. Ausblick

    Hoffnungsvoll gestimmt hat mich – nicht zuletzt – die Reaktion auf unseren eher pragmatischen Vorschlag zur Bereitstellung von Open Educational Ressources im Community-Verbund von Hochschulen und Individuen im Rahmen des Learners´ Garden Projektes. Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter von Universitäten und Bildungsinstitutionen im deutschsprachigen Raum konnten als Kooperationspartner gewonnen werden. Eines von vielen Indizien, dass wir hier tatsächlich gerade einen Wandel erleben. Kompetetenzorientiertes Begleitstudium in Augsburg, mediengestütztes Lernen in Basel, Lernen durch Lehren in Ludwigsburg, produktorientiertes Lernen im Learners´Garden, allerorten EduCamps: Ilmenau, Berlin, Hamburg, Graz … Stehen wir vor einer Renaissance der Hochschuldidaktik? Die Zukunft wird es zeigen.

    Spannende Zeiten …


    Literatur

  • Back, A. (2009). Disruptiv Innovieren in E-Learning und Kommunikation. Retrieved September 26, 2009, from: http://www.business20.ch/2009/01/20/disruptiv-innovieren-in-e-learning-und-kommunikation/
  • Hasebrook, J. (2009). Zukunft des E-Learning: Brauchen Computer zum Lernen noch Menschen? Retrieved September 26, 2009, from: http://www.equalification.info/_media/Hasebrook_Zukunft_E-Learning.pdf
  • Kerres, M. de W., C. (2002). Quo vadis Mediendidaktik? Zur theoretischen Fundierung von Mediendidaktik. MedienPädagogik.
  • Klebl, M. (2006). Entgrenzung durch Medien: Internationalisierungsprozesse als Rahmenbedingung der Mediendidaktik. MedienPädagogik. Retrieved September 26, 2009, from http://www.medienpaed.com/2006/klebl0607.pdf
  • Schulmeister, R. (2009). Studierende, Internet, E-Learning und Web 2.0. In N. Apostolopoulos, H. Hoffmann, V. Mansmann, & A. Schwill (Eds.), E-Learning 2009 – Lernen im digitalen Zeitalter (pp. 129–140). Münster/New York/München/Berlin: Waxmann.
  • Welbers, U. (2003). Vermittlungswissenschaften – Wissenschaftsverständnis und Curriculumsentwicklung. Düsseldorf: Grupello.
  • Blogbeiträge zur Jahrestagung der GMW 2009: Kerstin Mayrberger, Joachim Wedekind, Marcel Kirchner, Michael Kerres, Nadine Kämper, Christian Spannagel, Ilona Buchem, Carola Brunnbauer, Mandy Schiefner, Gabi Reinmann, Tagungsblog der GMW

    PDF-Version dieses Beitrags: Tagungsrückblick zur Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) 2009

    Tagungsband der GMW 2009: E-Learning 2009 – Lernen im digitalen Zeitalter

    Medien in der Wissenschaft Band 50: E-Learning: Eine Zwischenbilanz – Kritischer Rückblick als Basis eines Aufbruchs

    Brauchen Computer zum Lernen Menschen?

    Montag, 20. Juli 2009

    Foliensatz: Joachim Hasebrook

    Foliensatz von Joachim Hasebrook auf der Fachtagung “eQualifikation” am 8. und 9. Juni 2009 in Berlin
    [via Jochen Robes]

    Wohin mit den Learning Management Systemen?

    Donnerstag, 18. Juni 2009

    Lehrer benötigen schlanke, effiziente Werkzeuge, um ihre Lernumgebungen auch adhoc mit produktiven oder kommunikativen Elementen anreichern zu können. Learning Management Systeme kommen da zu bolidenhaft daher, Sie sind kaum geeignet, der komplexen Vielfalt alltäglicher Lernsituationen in Schule und Hochschule gerecht zu werden.

    moodle-logo-2

    Mit diesem Erfahrungswissen im Hinterkopf – erarbeitet durch zahlreiche Modellprojekte mit Moodle-Plattformen und mehrjähriger Erfahrung mit dem Blackboard-LMS in unterschiedlichsten Lehrkontexten an der Freien Universität Berlin – wurde ich gebeten für das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin- Brandenburg (LISUM) auf einer Fachtagung zum Thema Lernmanagementsysteme, deren didaktischen Nutzen darzustellen …

    Da das Bildungsministerium in diesem Zusammenhang nicht unerhebliche Summen für die Medienentwicklungsplanung speziell für die Brandenburger Gymnasien in Aussicht gestellt hat, bemühte ich mich darum, das Thema diplomatisch anzugehen. So wies ich neben meiner grundlegenden Kritik am E-Learning Begriff und den damit assoziierten Praktiken auch auf die Stärken dieser Systeme hin. Diese bestehen für mich vor allem darin, dass es möglich ist, Dokumente gruppenspezifisch zugänglich zu machen und die eingetragenen Teilnehmer eines Kurses mit einem Klick per E-Mail zu erreichen. Die meisten darüberhinausgehenden Funktionen wie z.B. Wiki-Funktionalitäten, Blogging, E-Portfolio, Tests, Kalender etc. werden in der Regel durch – häufig kostenlose – Systeme und Services sehr viel professioneller bereitgestellt als das in den gängigen Learning Management Systemen möglich ist. Die entsprechenden Alternativen stellte ich auf einem dekiwiki unserer Wikifarm zur Verfügung, das für mich auch gleichzeitig ein gelungenes Beispiel einer effizienten Nutzeroberfläche darstellt (z.B. : Seitenüberschriften werden automatisch als Navigationspunkt in der korrekten Navigationshierarchie dargestellt).

    Die Anwesenden Vertreter der LMS-Anbieter (Fronter, Edunex, Moodle, Lonet, Vcat) waren keineswegs amüsiert und konterten u.a. : Learning Management Systeme ermöglichen innovative und kreative Praktiken, mit denen – differenziert nach Leistungsstand – Schülern passgenaue Lernangebote gemacht werden können. Meine Antwort auf diese Replik stellte die Anwesenden Vertreter der E-Learning Industrie dann ruhig: “Binnendifferenzierung ist tatsächlich eine Innovation, aber keine Innovation der E-Learning-Branche oder der LMS-Produzenten sondern eine Innovation der klassichen Pädagogik, die sich in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts durchsetzte und die seitdem für viele Lehrer zum Standardrepertoire gehört.”

    Einen durchaus interessanten Vorschlag machte der Moodle-Vertreter: Learning Management Systeme sollten besser Schul-Management-Systeme oder ähnlich genannt werden, da es bei diesen Systemen primär nicht um das Lernen direkt geht sondern um die strukturelle Unterstützung entsprechender Prozesse. Vielleicht liegt hier tatsächlich eine zukünftige Verwendungsform dieser Systeme. Sie könnten, da ihre Struktur ohnehin stärker an den hierarchichen Strukturen von großen Institutionen wie Schulen, Universitäten oder Großunternehmen orientiert sind, eher als Verwaltungsinstrumente dienen, denn als Unterstützungssysteme für die konkrete pädagogische Praxis.

    Mein Vortrag gliederte sich in vier Abschnitte: (1) Lerntheorie und Allgemeine Didaktik (2) Medienwahl (3) Didaktische Funktion (4) Einsatzszenarien. Diese Abschnitte wurden konotiert durch einen Diskurs zur parallelen und dennoch weitgehend berührungslosen Entwicklung von E-Learning und Lehrerbildung, der durchaus einige Aha-Effekte bei den anwesenden Gymnasiallehrern auslöste.

  • Foliensatz : Learning Management Systeme für die schulische Praxis
  • Begleitendes Wiki, das gerne als Sandbox genutzt werden kann
  • Kostenloses Dekiwiki als Webservice: mindtouch Express
  • Fachtagung Lernmanagementsysteme (LMS) eine Perspektive für Medienentwicklungsplanung?
  • Volltextarchiv Mediendidaktik

    Donnerstag, 19. März 2009

    Seattle Downtown Library - Level 4 - Foto: Esther Harlow - watch large size
    Foto: Esther Harlow, Creative Commons License

    Allgemeine Didaktik

    Mediendidaktik

    Hochschuldidaktik

    Lernen

    Produktorientiertes Lernen

    Webgestützte Werkzeuge

    Reformpädagogik

    Konstruktivismus

    Medientheorie

    Medienkompetenz

    Wissensmanagement

    E-Learning

    Forschungsdesign

    Als Grundlage für meine wissenschaftliche Arbeit pflege ich das Volltextarchiv zur Mediendidaktik. Die Auswahl der Artikel spiegelt mein Bemühen wider, die Mediendidaktik als Teil der Allgemeinen Didaktik zu betrachten. Aus rechtlichen Gründen können ausschließlich die Artikel heruntergeladen werden, die von Autoren oder Herausgebern offen im Web bereitgestellt werden. Diese Artikel sind mit einem schwarzen Download-Pfeil am Ende der Zeile gekennzeichnet. Artikel, die als PDF im geschützten Bereich auf dem Server liegen, können auf Nachfrage gerne lokal bei mir eingesehen werden. Gleiches gilt für hier verschlagwortete Bücher.

    Wenn es für Sie wichtig ist, kurzfristig einen Artikel als Volltext zur Verfügung zu haben, den sie hier nicht downloaden können, empfehle ich den Dokumentenlieferdienst subito. Die über subito bezogenen Artikel (Preis ca. 6.50 EUR pro Artikel) sollten Sie sich immer per traditioneller Post zusenden lassen, da der Dienst rechtlich verpflichtet wurde, PDF´s mit einem unsäglichen Digital Rights Management (DRM) zu versehen, das nicht nur die Weitergabe, sondern auch das Lesen und das Drucken des Dokuments massiv einschränkt.

    Aktuelle Studien im Umfeld der Mediendidaktik: http://studien.mediendidaktik.org
    Gesamter aktueller Datenbestand: http://lib.mediendidaktik.org

    Die Macht technologischer Innovationen

    Donnerstag, 12. März 2009

    Wenn man sich die folgenden Zitate ausgewiesener Experten im Bereich des E-Learnings vor Augen führt, dann wundert man sich doch, wie naiv offensichtlich Verantwortliche in Drittmittelgebenden Stellen mit dem Innovationsbegriff umgehen. Während Andrea Back eine disruptive Innovation im Bereich des E-Learnings postuliert, kämpft die ganze Branche darum, überhaupt noch ernst genommen zu werden. Und der Drittmittelgeber erwartet mindestens “Semantische Netzwerke” oder “Microblogging”, alles andere ist nicht innovativ. Wäre es nicht höchste Zeit, sich beim Medieneinsatz in so sensiblen Feldern wie Schule, Hochschule und Weiterbildung an pädagogisch begründeten, didaktischen Erneuerungen zu orientieren und nicht an der Technologie als Selbstzweck?

    Disruptive Innovation, Foto: Phil Balchin

    Foto: Phil Balchin, Creative Commons License

    Wer glaubt noch an die immer wieder neu ausgerufenen technologischen Revolutionen, die ihr Versprechen im Kontext der Bildung nie einhalten konnten?

    2002: Rolf Schulmeister
    “Die meisten experimentellen Vergleiche von Unterrichtsmethoden erzielen keine signifikanten Ergebnisse, und die wenigen signifikanten Resultate widersprechen sich gegenseitig” (Schulmeister, 2007, S. 363)

    2004: Gerhard Tulodziecki
    “Insgesamt zeigen die vielen Studien zu generellen Medieneffekten (als Vergleich zwischen medienunterstützten und herkömmlichen – personal vermittelten – Lehr- und Lernprozessen), dass nicht von einer grundsätzlichen Überlegenheit des Lernens mit Medien gesprochen werden kann” (Tulodziecki/Herzig, 2004, S. 81)

    2006: Gabi Reinmann
    “Es liegt auf der Hand, dass E-Learning bis dato keine umwälzenden Veränderungen nach sich zieht und damit keine Innovation ist, die sich mit der Erfindung und Etablierung der Eisenbahn oder mit der Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung vergleichen ließe.” (Reinmann, 2006, S. 32)

    2007: Michael Kerres
    “Die Erwartungen an die in den letzten Jahren besonders diskutierten digitalen und interaktiven Medien sind vielschichtig. Besonders verbreitet ist die Hoffnung, dass der Einsatz digitaler Medien bessere Lernleistungen erzielt und dies mit einer höheren Effizienz, d.h. Lernergebnisse mit letztlich geringeren Aufwändungen erzielen zu können. Beide Annahmen finden durch die Forschung bislang eher wenig Unterstützung. Es muss vielmehr davon ausgegangen werden, dass im Durchschnitt betrachtet Lernerfolg eher unabhängig ist von dem gewählten Mediensystem. Eine mögliche Kostenersparnis bei gleich bleibendem Lernerfolg (!) ist darüber hinaus bisher überraschend selten systematisch nachgewiesen worden”. (Kerres, 2007, S. 3)

    • Kerres, M. (2007). Mediendidaktik. In F. von Gross, & K. – U. Hugger (Eds.), Handbuch Medienpädagogik. Wiesbaden: VS Verlag.
    • Reinmann, G. (2006). Ist E-Learning eine pädagogische Innovation? In R. Arnold, & M. Lermen (Eds.), elearning-Didaktik (Vol. 48). Hohengehren: Schneider Verlag.
    • Schulmeister, R. (2007). Grundlagen hypermedialer Lernsysteme. München: Oldenbourg Verlag.
    • Tulodziecki, G., & Herzig, B. (2004). Mediendidaktik: Medien in Lehr- und Lernprozessen. In Handbuch Medienpädagogik (Vol. 2). Stuttgart: Klett-Cotta.