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Artikel-Schlagworte: „Web 2.0“

Schulentwicklungstag Eckener Schule: Smartphones und Tablets im Unterricht

Dienstag, 12. Februar 2013

Anknüpfend an meinen Vortrag im letzten Jahr an der Rathenau-Schule in Berlin, hatte ich die Gelegenheit vor dem Kollegium des regionalen Berufsbildungszentrums Eckener Schule in Flensburg einen Impulsvortrag zum Thema Smartphones und Tablets im Unterricht zu halten.

Der Foliensatz zum Vortrag:

Smartphones und Tablets im Unterricht from Wolfgang Neuhaus

Flensburg, 11.2.2013, Impulsvortrag zum Schulentwicklungstag: Smartphones und Tablets im Unterricht, Eckener Schule Flensburg

Im Vergleich zu anderen Schulen steht die Eckener Schule dem Einsatz von Mobilgeräten im Unterricht recht offen gegenüber, in naher Zukunft ist auch die Ausstattung einer Klasse des integrierten beruflichen Gymnasiums mit Tablets geplant. Im Anschluss an den Vortrag nahmen die etwa 120 Lehrerinnen und Lehrer dieser Einrichtung an verschiedenen Workshops teil. Zusammen mit meinem Kollegen Sebastian Haase bot ich einen Workshop an, in dem 15 TeilnehmerInnen drei exemplarische Unterrichtsszenarien erarbeiteten und mit uns als Testschüler durchführten. Diese Szenarien werden in Kürze in weiteren Blogbeiträgen dokumentiert.

Ergänzende Links:

  • Eckener Schule, regionales Berufsbildungszentrum
  • Facebook-Account der Eckener Schule
  • Workshop-Wiki: Smartphones und Tablets im Unterricht
  • Weiterführende Materialien und Studien
  • Projektmethode 2.0

    Dienstag, 17. Juli 2012

    Die Projektmethode ist eine Möglichkeit, kollektive Aneignungsprozesse bei Lernenden anzuregen. Individuelle Stärken der einzelnen Beteiligten können in einem gemeinsamen Entwicklungsprozess für die Projektumsetzung nutzbar gemacht werden und erhöhen die Wahrscheinlichkeit des Auftretens intrinsischer Motiviation. Der, durch die Akteure, selbstgesteuerte Prozess wird fokussiert und mitgesteuert durch das angestrebte Produkt und durch die Eigenschaften der zur Erstellung des Produktes notwendigen Materialien und Umweltbedingungen. In der heutigen Zeit bietet es sich an, bei der Planung und Umsetzung von Projekten, webgestützte Werkzeuge nutzbar zu machen, die die kollektiven Kommunikations- und Produktionsprozesse orts- und zeitunabhängig unterstützen und für alle Beteiligten transparent machen. Um derartige Prozesse auszulösen, gilt es gemeinsam ein Produkt zu definieren, das für die Zielgruppe, den anvisierten Themenkomplex oder für die Umgebung, in der die Akteure agieren, eine Bedeutung hat. In der Unterrichtspraxis unterscheidet Herbert Gudjons fünf Produkttypen, die wir (Neuhaus, Nordmeier & Kirstein, 2009) in einem Artikel zum Learners´Garden Projekt um einen weiteren – die Entwicklungsprodukte – ergänzt haben :

      1. Aktions- und Kooperationsprodukte
      (z.B. Podiumsdiskussionen, gezielte Aktionen)
      2. Vorführungs- und Veranstaltungsprodukte
      (z.B. Theateraufführungen, Filmvorführungen)
      3. Dokumentationsprodukte
      (z.B. Broschüren, Gutachten, Bücher, Webseiten, Multimediaproduktionen)
      4. Ausstellungsprodukte
      (z.B. Stellwände, Plakate, Wanderausstellungen)
      5. Gestaltungsprodukte
      (z.B. Begrünung, Campusgestaltung, Raum- und Gebäudegestaltung)
      6. Entwicklungsprodukte
      (Kooperationsprodukte, die weit über einzelne Lehrveranstaltungen hinaus gehen und durch Beteiligte über mehrere Semester hinweg ggf. auch in Institutionsgrenzen überschreitenden Lernzusammenhängen betreut, überarbeitet und aktualisiert werden)
      (In Ergänzung zu Gudjons: Neuhaus et al. 2009, S. 6)


    Abbildung: Lisa Vanowitch

    Die Bedeutung der Produktorientierung und der damit zusammenhängenden kollektiven Prozessdynamik, haben wir in unserer Arbeitsgruppe in einem Artikel für die Zeitschrift »Praxis der Naturwissenschaften« zusammengefasst:

    “Mit der gemeinsamen Festlegung konkreter Produkte, seien es physische Objekte, Aktionen, Projekte oder Text-, Bild- und Multimedia-Produktionen, die vielfältige, individuell herausfordernde Anlässe zur Konstruktion von Wissen bieten, lassen sich in unterschiedlichsten Themengebieten bei Schülerinnen und Schülern (selbstorganisierte) Lernprozesse auslösen. Nach Gudjons hat das an der Produkterstellung gewonnene Wissen eine besondere Qualität: Es ist individuell konstruiert, besonders gedächtniswirksam, in vielfältige Bezüge einer Sache vernetzt und handlungsrelevant (Gudjons 2008, S. 88). Aktuelle Erkenntnisse der Pädagogischen Psychologie unterstützen diese Erkenntnisse, die auch die Grundlage vieler reformpädagogischer Ansätze bilden (s. z.B. Dewey 1916). Das handlungstheoretische Motivationsmodell von Rheinberg besagt, dass es in einer konkreten Situation zu einer Intentionsbildung für eine Handlung kommt, wenn der Lernende eine positive »Kosten-Nutzen-Bilanz« zieht (Krapp & Weidenmann 2006, S. 222). Durch die Möglichkeit der Schülerinnen und Schüler zur Mitbestimmung und Auswahl bestimmter Produkte in einem Themenzusammenhang erhöht sich daher die Wahrscheinlichkeit, dass jede/r Einzelne von ihnen im Zuge einer Handlungsepisode motivationsbezogen diese positive Bilanz zieht und sich aktiv an einer Produktion und damit am Unterrichtsgeschehen beteiligt” (Neuhaus & Nordmeier 2009, S. 23).

    Im Folgenden finden sich einige Beispiele und Links zu weiterführenden Darstellungen der Projektmethode, sowie zu frei zugänglichen Online-Werkzeugen, die bei der Planung und Umsetzung von Projekten hilfreich sein können.

    Projektbeispiel: Empirische Untersuchungen im Wald


    Abbildungen: Andreas Stockey

    Unter welchen Bedingungen gedeihen bestimmte Arten im Wald? Unter dieser Fragestellung hat Andreas Stockey am Oberstufenkolleg der Universität Bielefeld mit seinen Schülerinnen und Schülern ein Projekt durchgeführt, das online recht gut dokumentiert wurde: Projekt-Homepage

    Projektbeispiele: Location Based Learning


    Abbildung: Education in the Wild

    In diesem Blogbeitrag werden Projekte der University of Nottingham (UK), dem Futurelab und dem Cachewiki von Roland Dieterich vorgestellt. Das gemeinsame dieser Projekte ist es, dass mobile Endgeräte zur Umsetzung der Vorhaben eingesetzt werden: Blogartikel zum Location Based Learning

    Texte, Materialien und Kontakte rund um die Projektmethode


    (1) Projektunterricht, Projektstudium, Projektmanagement, Didaktik der Sozialwissenschaften, sowi-online
     

    (2) Projektlernen im digitalen Zeitalter, Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg
     

    (3) Projektarbeit, Methodenpool, Uni Köln, Kersten Reich
     

    (4) Projektpraxis, Verein für Projektdidaktik e.V. (VfPd), Bielefeld
     

    Digitale Werkzeuge für die Projektarbeit

    1. Der Werkzeug-Pool im Learners´ Garden

    Zur Planung und Umsetzung von Projekten gibt es heutzutage zahlreiche – oft auch kostenlose – webbasierte Werkzeuge, die nützlich sind zum gemeinsamen Strukturieren, Kommunizieren, Präsentieren und Verteilen von Informationen. Im Online-Portal »Learners´Garden« werden solche Tools verfügbar gemacht. Auch wenn die Plattform – wegen mangelnder Finanzierung – im Augenblick nur auf Sparflamme aufrecht erhalten wird, lassen sich dort zahlreiche nützliche Online-Tools und erfahrene Lernende finden, die diese Tools bereits nutzen. Zur Homepage: »Learners´Garden«.


    Abbildung: Learners´Garden

     
    2. Das Adhoc-Lab im Learners´ Garden

    Im Rahmen des Learners´ Garden-Projektes entstand auch das »Adhoc-Lab«, ein Online-Mashup von kostenlos einsetzbaren Tools, das hier in einer Sandbox-Version im Rahmen der LehrerInnen-Ausbildung an der Freien Universität Berlin eingesetzt wurde. Bereitgestellt werden hier unter anderem Anwendungen wie ein kollektiv nutzbarer Texteditor (Etherpad), ein Diagramm-Editor, Tools zum finden von Fotos unter Creative Commons Lizenz und zum bearbeiten von Fotos, ein Blog und ein Wiki. Einige dieser Systeme erfordern eine Onlineregistrierung bei den jeweiligen Anbietern, die aber kostenlos ist. Bei Interesse können wir interessierten Projekten ein identisches Mashup bereitstellen: Zur Homepage: »Adhoc-Lab«.


    Abbildung: Learners´Garden

    3. Eigene Tools in Betrieb nehmen

    Für jede Art von Online-Tools gibt es unterschiedliche Lösungen und Anbieter. Um es Einsteigern nicht zu schwer zu machen, sind im Folgenden fünf klassische Online-Anwendungen konkreter Anbieter vorausgewählt worden, die sich vielfach bewährt haben und die kostenlos nutzbar sind. Bei jedem der fünf Anbieter ist eine Online-Registrierung erforderlich. Unmittelbar nach der Registrierung sind die Tools voll einsatzbereit. Alternativen zu diesen hier aufgeführten Anbietern finden sich z.B. im Learners´Garden

  • Wiki
    Wikis sind im prinzip beschreibbare Homepages, die über eine individuelle Internetadresse verfügen (URL) und die von beliebig vielen Nutzern beschrieben und editiert werden können. Wikis eignen sich besonders dafür, Inhalte strukturiert – versehen mit hierarchischer Navigation – aufzubereiten. Sowohl Text, Bild und Video kann in der Regel integriert werden. Änderungen in einem Wiki können zwischen den Autoren seitenbezogen, online diskutiert werden. Nach der Registrierung bei einem Online-Anbieter erhält man eine URL über die jeder Projektbeteiligte oder andere Interessierte dieses Wiki mit einem Browser aufrufen können. Hier ist derzeit das PB-Works-Wiki zu empfehlen, solange es kostenlos angeboten wird:
    PBWorks: >> Homepage | >> Registrierung | >> Bedienungshinweise |

  • Blog
    Blogs sind – wie Wikis – ebenfalls beschreibbare Homepages, die sich vom Wiki vor allem dadurch unterscheiden, dass jeder Eintrag in einem Blog in chronlogischer Reihenfolge – tagebuchartig – dargestellt wird. Jeder einzelne Eintrag im Blog kann kategorisiert und verschlagwortet werden (tagging) und ist dadurch sowohl über das Internet als auch innerhalb des eigenen Blogsystems gut durchsuchbar. Leser des Blogs können einzelne Blogbeiträge öffentlich sichtbar kommentieren und diskutieren. Weltweit hat das Blogsystem WordPress hohe Akzeptanz. Auch hier gibt es einen kostenlosen Online-Service:
    WordPress: >> Homepage | >> Registrierung | >> Bedienungshinweise |

  • Kollektiver Texteditor
    Zum Verfassen von Texten, gemeinsam mit mehreren Autoren – auch zeitgleich – eignen sich Texteditoren, die über eine URL aufrufbar sind. Besonders beliebt ist der Online-Editor »Etherpad« , die Programmierer dieses Tools wurden von Google abgeworben. Der Editor selbst wurde daraufhin als Open-Source-Lösung der Online-Community zur Verfügung gestellt. Zahlreiche Anbieter bieten diesen Editor online zur Nutzung an. Gute Erfahrungen gibt es unter anderem mit dem Anbieter Titanpad:
    TitanPad: >> Homepage | >> Registrierung | >> Bedienungshinweise |

  • Mikroblog
    Mikroblogs sind webbasierte Systeme, die eine schnelle Kommunikation in einem selbstdefinierten offenen Netzwerk ermöglichen. Ein Eintrag in einem solchen Mikroblog hat üblicherweise nicht mehr als 140 Zeichen. Dafür lassen sich die Einträge mit jeglicher Art im Web gelagerter Dokumente verlinken und durch sogenannte Hashtags (Beispiel: #mikroblogging) verschlagworten, so dass – je nach Nutzerverhalten – effiziente fachspezifische Kommunikationen und Informationsverbreitungen möglich sind. Der am weitesten verbreitete Mikroblog-Dienst ist Twitter:
    Twitter: >> Homepage | >> Registrierung | >> Bedienungshinweise |

  • Webbasierte Dateiablage
    Zur Ablage und Verteilung von digitalen Dokumenten eignen sich webbasierte Dateiablagen oder sogenannte »Cloud-Services«. Hier werden im Web Festplattenbereiche angeboten, auf denen die relevanten Dokumente für ein Projekt über ein Web-Interface – sortiert und verschlagwortet – abgelegt werden können. Auch Zugriffsbeschränkungen auf die Dokumente lassen sich individuell konfigurieren. Zu empfehlen ist bei derartigen Services derzeit Dropbox:
    Dropbox: >> Homepage | >> Registrierung | >> Bedienungshinweise |

  • Weiterführende Literatur zur Projektmethode

    • Boaler, J. (1998). Open and Closed Mathematics: Student Experiences and Understandings. Journal for Research in Mathematics Education, (Vol. 29 No. 1), 41-62.
    • Dewey, J. (1916). Democracy and Education. The Macmillan Company. Retrieved July 5, 2012, from http://www.ilt.columbia.edu/publications/dewey.html
    • Dewey, J. (1993). Demokratie und Erziehung (Jürgen Oelkers, Ed.). Weinheim und Basel: Beltz.
    • Dietz, M., Döring, T., Emer, W., Sagasser, H., Schöbel, R., Schumacher, C., et al. (2010). Unter die Lupe genommen: Die Umsetzung von Projektunterricht und Projektkultur an sechs Schulen in NRW. Eine vergleichende qualitative Untersuchung zur gymnasialen Oberstufe. TRIOS, (2/2010).
    • Duncker, L., & Götz, B. (1984). Projektunterricht als Beitrag zur inneren Schulreform. Langenau-Ulm: Armin Vaas Verlag.
    • Emer, W., & Rengstorf, F. (2010). Bedeutung einer Projektkultur an Schulen und ihre Merkmale. TRIOS, (2/2010).
    • Emer, W., Rengstorf, F., & Schumacher, C. (2010). Der Projektunterricht in der Bildungsdiskussion. TRIOS, (2/2010).
    • Frey, K. (1993). Die Projektmethode. Weinheim und Basel: Beltz.
    • Gudjons, H. (2008). Handlungsorientiert lehren und lernen – Schüleraktivierung – Selbsttätigkeit – Projektarbeit. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
    • Hongler, H., & Willener, A. (1996). Die Projektmethode in der soziokulturellen Animation. Luzern: Fachverlag HFS Zentralschweiz.
    • Kerres, M., & de Witt, C. (2004). Pragmatismus als theoretische Grundlage für die Konzeption von eLearning. In H. O. Mayer, & D. Treichel (Eds.), Handlungsorientiertes Lernen und eLearning. München Wien: Oldenbourg Verlag.
    • Krapp, A., & Weidenmann, B. (Eds.). (2006). Pädagogische Psychologie. Weinheim Basel: Beltz PVU.
    • Neuhaus, W. (2007). Web 2.0 und der Kampf der Begriffe. Berlin: Blog Mediendidaktik. Retrieved July 5, 2012, from http://mediendidaktik.port07.de/docs/neuhaus_2007_04.pdf » Download PDF
    • Neuhaus, W., & Nordmeier, V. (2009). Produktorientiertes Lernen mit webgestützten Werkzeugen. Praxis der Naturwissenschaften, (7).
    • Neuhaus, W., Nordmeier, V., & Kirstein, J. (2009). Learners´Garden – Aufbau eines Community getriebenen Werkzeug- und Methodenpools für Lehrende und Studierende zur Unterstützung produktorientierter Formen des Lehrens und Lernens. In N. Apostolopoulos, V. H.: M. Hoffmann, & A. Schwill (Eds.), E-Learning 2009 – Lernen im digitalen Zeitalter. Münster/New York/München/Berlin: Waxmann. » Download PDF
    • Neuhaus, W. (2012). Didaktisches Design und die Transformation von Wissen im digitalen Zeitalter. Berlin: Blog Mediendidaktik. Retrieved July 14, 2012, from http://mediendidaktik.org/docs/didaktisches-design-neuhaus.pdf
      » Download PDF
    • Rasfeld, M., & Spiegel, P. (2012). EduAction – Wir machen Schule. Hamburg: Murmann.
    • Rengstorf, F., & Schumacher, C. (2010). Projektarbeit und Projektunterricht in der schulischen Wirklichkeit – ein Niemandsland in der empirischen Unterrichtsforschung? TRIOS, (2/2010).
    • Wenger, E., Trayner, B., & Latt, M. de. (2011). Promoting and assessing value creation in communities and networks: a conceptual framework. Heerlen: Ruud de Moor Centrum.

    Lehrbuch der Zukunft: Orientierung an den Rahmenbedingungen des Didaktischen Designs

    Dienstag, 20. Dezember 2011

    Unser Artikel zu den mediendidaktischen Hintergründen der Entwicklung eines Lehrbuchs der Zukunft ist heute im Open-Access-Journal »Phydid« erschienen. In diesem Artikel machen wir deutlich, warum es schwierig ist, sich bei der Entwicklung innovativer Lernmedien an den klassischen Konzepten des E-Learnings zu orientieren. Wir schlagen statt dessen vor, für innovative Entwicklungen im Bereich des mediengestützen Lernens ein bildungstheoretisch begründetes Didaktisches Design zu wählen.


  • Artikel: Download über unser Open Access Journal Phydid
  • Vollansicht des Textes mit Kommentar-Funktion
  • Zitationsweise:

    Neuhaus, W., Nordmeier, V., & Kirstein, J. (2011). Das Lehrbuch der Zukunft – Mediendidaktische Aspekte im Validierungsprojekt “Technology Enhanced Textbook”. In V. Nordmeier, & H. Grötzebauch (Eds.), PhyDid B – Didaktik der Physik – Beiträge zur DPG-Frühjahrstagung, 2011. Berlin: Freie Universität Berlin – AG Nordmeier.

    Das Schulbuch der Zukunft ist ein
    Schulbuch der Schüler

    Sonntag, 13. November 2011

    Eine Meldung von Markus Beckedahl, auf seiner Homepage netzpolitik.org hat jüngst die deutsche Edublogger-Community aufgeschreckt. In einem Vertrag zwischen den Kultusministerkonferenzen der Länder und dem Verband der deutschen Schulbuchverlage (VdS) wurde unter anderem vereinbart, dass die Verlage kommunalen und privaten Schulträgern eine Plagiatssoftware zur Verfügung stellen, die automatisch die Speichersysteme in mindestens 1% der öffentlichen Schulen nach nicht genehmigten Kopien durchsuchen soll. Gemäß der Statistiken des Statistischen Bundesamtes, beträfe das ca. 340 Schulen. Der damit transparent werdende enorme Vertrauensbruch gegenüber den Lehrern und die datenschutzrechtlich höchst bedenkliche Durchführung dieser Maßnahme führte zu empörten Diskussionen über die breit vernetzten Twitter-Clients der Edublogger. Christian Füller, Taz-Autor und Bildungsexperte, regte eine breitere Diskussion an, die voraussichtlich in zwei öffentlichen Veranstaltungen zum Thema münden wird – getragen von der Heinrich Böll Stiftung. Die Diskussion findet derzeit auf Twitter unter den Hashtags #sb20 und #schultrojaner statt, auf einem öffentlich zugänglichen Etherpad und auf dem Blog von Christian Füller. Auf Grund der aufgeheizten Diskussion konkretisierte der VdS die Gründe und Zusammenhänge für den geplanten Einsatz der Plagiatssoftware in einer dafür zusammengestellten FAQ-Liste. Im Anschluss an die Online-Diskussion kritisierte auch der Verband für Bildung und Erziehung den dubiosen Vertrag und die klassichen Medien griffen den Vorgang auf (siehe z.B. taz, ZDF oder Spiegel). In der Online-Diskussion wurde das Verhalten der Schulbuchverlage vielfach als Verzweiflungsakt gewertet, weil diese offensichtlich – ähnlich wie vor einigen Jahren die Musik-Industrie – keine Antworten auf den gesellschaftlichen Wandel durch die flächendeckende Digitalisierung und Kopierbarkeit externalisierter Kultur- und Bildungsgüter haben. So entstand die Frage, wozu in der heutigen Zeit überhaupt noch Schulbuchverlage gebraucht werden und es wuchs der Impuls in der Online-Community, die international bereits weit verzweigten Initiativen zu »Open Educational Ressources« (OER) im deutschen Schulwesen besser nutzbar zu machen. Hierzu entspinnen sich derzeit auf verschiedenen Blogs einige Ideen (z.B. herrlarbig.de , rete-mirabile u.a. ). Heise.de stellte spontan entsprechende Ansätze und Initiativen zum Thema OER in einem Artikel zusammen.

    Im Vertrauen darauf, dass das zwielichtige Verhalten des Verbands der Schulbuchverlage von den politisch Verantwortlichen bald unterbunden wird (Die Piraten haben in Berlin mit einer großen Anfrage die Diskussion aufgenommen, Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger kritisiert bereits öffentlich den Vorgang), möchte ich hier aus konstruktivistischer Perspektive einige Aspekte zur Diskussion um die Zukunft des Schulbuchs beisteuern, die wir derzeit im Projekt »Technology Enhanced Textbook« diskutieren.

    1. Lernen als kommunikative Auseinandersetzung mit der Erfahrungswelt
    Lernen ist dann besonders erfolgreich und nachhaltig, wenn Lernende ihr Wissen aktiv konstruieren. Aktuelle Forschungsergebnisse der Hirnforschung bestätigen diese ursprünglich reformpädagogische Auffassung, genauso wie zahlreiche theoretische Modelle der Kognitionspsychologie. Der Aufbau aktivierbaren Erfahrungswissens ist verbunden mit vielfältigen aufeinanderbezogenen Lernaktivitäten wie Entdecken, Problemlösen, Kooperieren, Recherchieren, Kategorisieren, Konstruieren, Imitieren, Einprägen, Üben und Anwenden. Obwohl die hinter diesen Lernaktivitäten liegende psychologische Theorie gut entwickelt ist, setzen sich hierauf abgestimmte pädagogische Modelle in Schule und Hochschule nur langsam durch. Eine innovative Neuausrichtung im konstruktivistischen Sinne ist dringend erforderlich. Heute verfügbare Online-Technologien weisen große kommunikative Potenziale auf, die geeignet sind, derartige konstruktivistisch angelegte Lernsettings zu unterstützen. Für uns in der AG Nordmeier ist das ein Grund, ein technologisch erweitertes Lehrbuch zu entwickeln, das diese Potenziale besser ausschöpfen soll.

    2. Probleme mit dem klassischen Schulbuch
    Das klassische Schulbuch bietet nur wenige Ansatzpunkte für aktive Formen der Wissenskonstruktion. Die im wesentlichen rezeptive Nutzung des Schulbuchs führt dazu (wenn diese nicht mit erfahrungsaufbauenden Aktivitäten verbunden ist), dass Schüler sich bestenfalls »träges Wissen« aneignen, das in realen Situationen nicht abrufbar oder aktivierbar ist. Möglicherweise ist das auch ein Grund dafür, warum das Schulbuch zumindest im naturwissenschaftlichen Unterricht nur verhältnismäßig selten eingesetzt wird. Gottfried Merzyn führte in den 90iger Jahren eine bundesweite Befragung unter Physiklehrern zur Bedeutung des Schulbuchs durch. 577 Lehrer nahmen an dieser Befragung teil. Ein zentrales Ergebnis der Studie: “Obwohl Physik-Schulbücher primär für die Schüler gedacht sind, werden sie am intensivsten von Lehrern bei der Unterrichtsvorbereitung genutzt” (Merzyn, 1994, S. 236). Er stellt fest, dass es weit verbreiteter Lehrerbrauch ist, sich von den Ideen unterschiedlicher Schulbücher bei der Planung des Unterrichts anregen zu lassen. Im Unterrichtsalltag der Physik werden Schulbücher vor allem für das gemeinsame Betrachten von Abbildungen, Grafiken und Tabellen herangezogen.

    3. Open Educational Ressources und das »träge Wissen«
    Wenn wir uns mit den Möglichkeiten des Internets und den vielfältigen digitalen Endgeräten befassen, die jede Art von Inhalten überall und jederzeit leicht verfügbar machen, liegt es nahe, »Open Educational Ressources« als generelle Alternative zum Schulbuch in Betracht zu ziehen. Was aus ökonomischen Gründen durchaus Sinn macht, nämlich einmal erarbeiteten Content auch anderen Lernenden auf diesem Wege zur Verfügung zu stellen, ist aus mediendidaktischer Perspektive nicht automatisch ein Erfolgsmodell. Wenn Lehrer ihren Content online z.B. in einem Wiki verfügbar machen (siehe z.B. ZUM-Wiki), dann hat dieser Content für die Schüler häufig auch keine andere Funktion, als Texte und Grafiken des Schulbuchs, die bestenfalls dabei helfen, träges Wissen aufzubauen. Das Wiki, genauso wie das klassische Schulbuch bleiben in solchen Fällen in erster Linie ein Medium des Lehrers, der hier Angebote zur Rezeption für seine Schülerinnen und Schüler zusammenstellt. Wäre es nicht besser, wenn wir über diese traditionelle Stufe des didaktischen Designs hinausgehen und Wiki und Schulbuch zum Medium der Schüler machen? Hier liegt aus meiner Sicht die große Chance des zukünftigen Schulbuchs. Schülerinnen und Schüler konstruieren ihr persönliches Wissen, werden zu Autoren und Gestaltern ihres eigenen personalisierten Schulbuchs, nutzen die ganze Vielfalt von online vefügbaren Medien-Modulen, Materialien und Informationen. Viele der oben dargestellten Lernaktivitäten zum Aufbau von Erfahrungswissen würden damit angeregt. Schülerinnen und Schüler mit schwierigem sozialen Hintergrund und geringen individuellen Lernvoraussetzungen wären allerdings in besonderem Maße darauf angewiesen, bei der Entwicklung entsprechender Fähigkeiten individuelle Unterstützung zu erhalten. Um die ganze Vielfalt möglicher Lernaktivitäten ansprechen zu können, müsste das Schulbuch der Zukunft noch über einige weitere Eigenschaften verfügen:

    4. Das technologisch erweiterte Schulbuch als personalisiertes Medium
    Derzeit entwickeln wir unterschiedliche Demonstratoren eines solchen Schulbuchs, die das Ziel haben, Phänomene unserer Umwelt durch aktive Handlungen erfahrbar zu machen. Aus didaktischer Perspektive kristallisieren sich dabei drei zentrale Funktionen heraus, die das »Lehrbuch« (im Ausbildungs- und Hochschulkontext) bzw. das »Schulbuch« (im Sekundarbereich und dem Gymnasium) in Zukunft bereitstellen wird:

  • Sammlungsort für die persönliche Externalisierung von Wissen
    Wir konzipieren das Schulbuch als personalisierte interaktive Anwendung auf mobilen Endgeräten wie Smartphones, Ipads, Android-Tablets u.ä. Die Portfolio-Funktion des technologisch erweiterten Schulbuchs ermöglicht es, selbst erstellte externalisierte Wissensfragmente, sowie über das Web zugänglich gemachte Content-Bausteine in individuell gestalteten, übersichtlichen Strukturen abzulegen (intuitiv bedienbar – nicht vergleichbar mit den umständlichen Funktionen längst überholter Learning Management Systeme). Die Navigation kann bei Bedarf neben der persönlichen Inhaltsstruktur auch die von Lehrern zusammengestellten oder durch spezifische Lehrwerke vorgegebenen Inhaltsverzeichnisse ein- und ausblenden. Die individuelle Wissenskonstruktion erhält so ein gut durchsuchbares, den eigenen Entwicklungsschritten angepasstes Abbild der persönlichen Konstruktions- und Rechercheprozesse. Integriert werden können alle über das Web zugänglichen Informationen, seien es »Open Educational Ressources«, Inhalte unter Creative Commons Lizenz oder von Wissensbrokern angebotene, kostenpflichtige Medien-Module.
  • Werkzeugkasten zur Erfahrbarmachung von Phänomenen in der Umwelt
    Die verschiedenen Sensoren und technischen Schnittstellen, über die mobile Endgeräte bereits heute verfügen, werden zum Messen, Detektieren, Experimentieren, Zeigen, Finden, Zusammenstellen und Kommunizieren nutzbar gemacht. Phänomene in der physischen, wie in der virtuellen Umwelt können handelnd untersucht, ausgewertet und analysiert werden. Aktive Formen der Wissenskonstruktion werden damit angeregt und unterstützt.
  • Schnittstelle für Kommunikation und Austausch
    Im Schulbuch erarbeitetes und zusammengetragenes Wissen kann auf allen Stufen der persönlichen Lern- und Erarbeitungsprozesse mit anderen Lernenden online ausgetauscht und kommuniziert werden. Dazu werden Schnittstellen zu gängigen Sozialen-Netzwerken wie Twitter, Facebook, Diaspora oder Google+ genutzt, wie auch Möglichkeiten zur Live-Kommunikation über Systeme wie Skype oder Google-Talk. Virtuelle Experimente können gemeinsam bedient und ausgewertet werden. Nach Bedarf können spezifische Zusammenstellungen von Inhalten an online vernetzte Partner weitergegeben werden.
  • Hinsichtlich der Finanzierung des »Technology Enhanced Textbooks« und der dafür verfügbaren interaktiven Medien-Module diskutieren wir mit potenziellen Verwertungspartnern (Bildungsmedien-Anbietern, Museen, Schulen, Hochschulen, Hörfunk- und Fernsehanstalten) Geschäftsmodelle, die es möglich machen, die Kosten für die Produktion zu decken. Sichergestellt werden soll dabei, dass ein Grundbestand dieser Medien als »Open Educational Ressources« verfügbar gemacht werden kann (Stiftungsmodelle, PayPerClick-Lösungen, kreative Formen der Mehrfachverwertung).

    Was denkt Ihr über die Umsetzung dieser Vision? Bis Ende 2013 wollen wir entsprechende funktionstüchtige Demonstratoren realisiert haben. Macht das alles Sinn? Übernehmen Wissensbroker in Zukunft die Funktion der Schulbuchverlage? Wie lassen sich didaktisch hochwertige Medien finanzieren? Wie können wir didaktische Qualität und »Open Educational Ressources« miteinander in Einklang bringen?

    Peer-To-Peer statt Monarchie …

    Montag, 17. Mai 2010

    Internet
    Die Idee des Internet war von Anfang an durch das Ideal der Demokratie geprägt. Jeder Nutzer sollte in die Lage versetzt werden, Informationen bereitzustellen, auszutauschen, zu kommentieren und den Content anderer zu nutzen. Das aktive Bereitstellen von Informationen funktionierte in den ersten Jahrzehnten des Internets so umfassend nur bei einer Minderheit der Internet-Nutzer, nämlich bei denen, die zumindest HTML beherrschten.

    netz-unconnected
    Abb. 1: Community ohne Netzwerkverbindungen.

    Web 2.0
    Mit dem Aufkommen des Web 2.0 veränderte sich die Lage im letzten Jahrzehnt soweit, dass im Prinzip jeder Internet-Nutzer Informationen öffentlich bereitstellen konnte und sich in Sozialen Netzwerken mit anderen Autoren und Informationen über unterschiedliche Endgeräte wie Laptops, Mobil-Telefone, MP3-Player usw. vernetzen konnte. Die Zahl der aktiven Internet-Nutzer stieg rasant an. Dennoch nutzt auch heute die große Mehrheit das Web eher passiv, konsumierend, wie zahlreiche Studien belegen. Für diejenigen, die das Web aktiv nutzen – unter Schlagwörtern wie Web 2.0, Social Networks, Gov 2.0, usw. – spielt der Gedanke der Demokratie auch heute noch eine zentrale Rolle. Die Möglichkeiten, dass sich Jeder und Jede frei äußern können, dass sich Interessengemeinschaften umstandslos zusammenfinden und Aktionen planen können, das über das Internet auf politische Entscheidungen Einfluss genommen werden kann, usw. begeistert viele Aktivisten des Web 2.0.

    Konstruktionsfehler von Community-Plattformen
    Jedoch wird hier häufig ein entscheidender Konstruktionsfehler der Community-Plattformen übersehen, der früher oder später den gut gemeinten Demokratie-Gedanken ad absurdum führen wird: Die technologische Basis der meisten Community-Plattformen besteht aus einer streng hierarchischen Systemarchitektur, die mit ihrer mehr oder weniger differenzierten Rechte- und Rollenverwaltung dazu einlädt demokratische Prinzipien außer Kraft zu setzen. Noch schwerwiegender jedoch ist die Tatsache, dass das Gesamte Netz der Kommunikationen einer Community in der Regel auf einem einzigen Server (bzw. Server-Farm) abgebildet wird, der im Besitz des Anbieters der jeweiligen Community-Lösung ist und auf dem der Besitzer schalten und walten kann, wie er will, während die Mitglieder der Community in der Regel keinerlei Zugriff auf den Server haben. Sicherlich haben viele auch gar kein Interesse an den Details eines Servers, aber das Problem bleibt bestehen: Wir als Mitglieder einer Community haben keinerlei oder nur extrem eingeschränkte Kontrolle darüber, was mit unseren Daten und denen unserer Freunde angestellt wird. Selbst wenn wir heute einem Anbieter vertrauen, wissen wir nicht was mit unseren Daten passiert, wenn er seine AGB´s verändert, seine Plattform verkauft oder gar Pleite geht. Was mit unseren Daten passieren kann, wird uns derzeit recht drastisch von facebook oder Google vorgeführt. Ohne die vielen Millionen Mitglieder zu befragen, werden offensichtlich von der Community erzeugte Netzwerk-Informationen gesammelt, ausgewertet und externen Geschäftspartnern verfügbar gemacht.

    netz-stern
    Abb. 2: Community als Monarchie (z.B.: facebook, Google, Twitter, etc).

    Demokratie
    Wenn wir das Internet wirklich als Motor der Demokratie nutzen wollen, dann brauchen wir freie Kommunikationsstrukturen, die sicherstellen, dass unsere Kommunikationen nicht durch wenige Monopole zweckentfremdet werden. Die derzeit gängigen Technologien der Social Network Plattformen (genauso übrigens wie die gängigen Learning Management Systeme) laden zur Monopolbildung ein, weil die Nutzer hier sternförmig auf einem Server zusammengeführt werden, dessen Betreiber die Macht über das gesamte Geschehen hat, ohne dass die Nutzer Einfluss nehmen können. Solche Strukturen sind im Prinzip veraltet, schöpfen das Potenzial des Internets (und das kreative Potenzial von uns Menschen) nicht wirklich aus und fördern eher die Monarchie als Gesellschaftsform als die erträumte Demokratie.

    Peer-To-Peer-Architektur
    Wirkliche Freiheit in der Kommunikation hätten wir, wenn wir – im Zugriff über eine intuitiv zu bedienende Homepage im facebook-Style – als eigener Server agieren könnten. Wenn wir jederzeit entscheiden könnten, wem welche Daten verfügbar gemacht werden und welche nicht und ob wir diese überhaupt in der Community bereitstellen oder nur einer guten Freundin oder einem guten Freund. Da wo Netzwerkverbindungen im Sinne eines Friend-of-a-Friend Systems entstehen, wären die Informationen für Außenstehende und robots verschlüsselt, der Quellcode wäre öffentlich zugänglich. Die Monarchie hätte ausgedient. Der Zusammenbruch oder die Überlastung eines Servers würde nicht gleich die gesamte Community lahmlegen wie im Monarchie-Konzept von facebook und co. Dieses Peer-To-Peer Konzept wäre ein wirklicher Motor der Demokratie, weil wir alle die Freiheit hätten, zu publizieren und zu kommunizieren, was wir wollen, ohne Angst zu haben, das die Spuren unserer Kommunikationen von einem zentralen Anbieter zweckentfremdet werden.

    diaspora
    Abb. 3: Das Diaspora-Team.

    Diaspora
    Genau mit so einem Konzept suchten 4 junge Informatik-Studenten in New York nach Geldgebern im Spenden-Portal “Kickstarter”. Ihr Ziel: “Diaspora: the privacy aware, personally controlled, do-it-all distributed open source social network”. Sie kalkulierten mit etwa 10.000$, die sie benötigen würden, um innerhalb von drei Monaten die erste Beta-Version von “Diaspora” auf den Markt zu bringen. Das weltweite massive Feedback auf Ihr Vorhaben und die über 4600 Spender, die ihnen über 170.000$ zukommen ließen, übertrafen all ihre Erwartungen und erzeugen nun natürlich einen hohen Erwartungsdruck.

    Im Yucca-Tree Blog wird das Konzept der vier kurz beschrieben: “Der Ansatz von den Diaspora-Gründern Daniel Grippi, Maxwell Salzberg, Raphael Sofaer, Ilya Zhitomirskiy basiert auf der sogenannten ‚ Freedom Box’. Mit dieser Box bleibt jeder Nutzer in Besitz seiner eigenen Daten, diese werden auf einem privaten Webserver, dem Seed, gespeichert. Kernbegriffe in diesem Kontext sind Dezentralisierung und Verschlüsselung der Daten. Diaspora soll als ein reines Peer-to-Peer-Netz werden wie zum Beispiel auch Bittorrent. Die Daten bleiben in der Hand der einzelnen Nutzer und werden nur an die Freunde weitergereicht, für die sie freigegeben sind, ohne dass eine zentrale Server-Instanz sie abgreifen könnte. Darüber hinaus soll Diaspora vollständig auf frei zugänglicher Open-Source-Software basieren. Jeder Nutzer bekommt bei jedem anderen Nutzer eine eindeutige aber eben immer andere ID, so dass eine Zusammenführung von Daten stark erschwert ist und gleichzeitig für jeden einzelnen “Freund” eingestellt werden kann, welche Daten er zu sehen bekommt und welche nicht.”

    netz-ptp
    Abb. 4: Community als Peer-To-Peer-Netzwerk.

    Deutschsprachige Community
    Offensichtlich gibt es – weit über die Hacker-Szene hinaus – ein großes Bedürfnis nach einer sicheren, freien und demokratischen Lösung für Soziale Netzwerke. Natürlich macht der Wechsel aus einem bestehenden Netzwerk nur Sinn, wenn es eine solide funktionierende Alternative gibt. Und es macht natürlich auch keinen Sinn, alleine zu wechseln. Deshalb haben wir eine Facebook-Gruppe eröffnet in der wir eine genügend große Community aufbauen wollen, mit der es sich lohnt zu wechseln. “Facebook User emigrieren zu Diaspora” haben wir die Gruppe genannt, in der wir das Peer-To-Peer Konzept diskutieren und die Entwicklung von Diaspora kritisch begleiten, um abschätzen zu können, ob dieses Projekt tatsächlich unsere Träume erfüllen kann. Natürlich halten wir auch Ausschau nach Alternativen, die die Vision eines nutzerfreundlichen Peer-To-Peer Netzwerks Wirklichkeit werden lassen können. Maßstab muss neben der Sicherheit natürlich immer eine intuitive Bedienbarkeit sein, die sicherstellt dass auch nicht-IT-Affine Community-Mitglieder die Kommunikations-Tools ohne großen Aufwand in Betrieb nehmen, nutzen und anwenden können. Sollte bis zum Ende diesen Jahres Diaspora oder deren Mitbewerber kein akzaptables System bereitgestellt haben, wäre es Auftrag dieser Community, ein eigenes Programmierer-Team zusammenzubringen, das unseren Traum Wirklichkeit werden lässt. Zunächst mal gibt es aber keinen Grund anzunehmen, dass die Jungs aus New York das nicht schaffen könnten, denn Know-How, kompetentes Personal, erfahrene Berater und Kooperationspartner aus der Branche, Kapital und eine zahlenmäßig große Community, die Ihr System nutzen würde sind doch keine schlechten Voraussetzungen um erfolgreich zu sein. Natürlich ist die große Öffentlichkeit in einem so frühen Stadium der Entwicklung auch eine Last, aber wir drücken den Diaspora-Entwicklern alle Daumen und setzen uns mit Ihnen ein für ein freies und sicheres Internet.

  • Der Diaspora Blog: joindiaspora.com
  • Diaspora Team: Video-Selbstdarstellung
  • Deutsche Community: Facebook User emigrieren zu Diaspora
  • E-Learning als eigenständiges Konstrukt ist überflüssig geworden …

    Dienstag, 16. Februar 2010

    play video

    Das Video auf e-teaching.org: 36. Statement zum E-Learning

    Kürzlich habe ich die Sammlung “100 Meinungen zum E-Learning” auf E-teaching.org durch einen eigenen Beitrag ergänzt. Es fiel mir nicht gerade leicht, in 90 Sekunden das auf den Punkt zu bringen, was mich in meiner Arbeit bewegt. Vielleicht als Ergänzung meines etwas stockigen Video-Statements ein paar Anmerkungen, die mir persönlich wichtig sind:

    Aus meiner Sicht ist es nicht in erster Linie die Technologie, die unser Lernen voranbringt sondern die Haltung und Motivation, mit der sich Lernende aktiv ihr Wissen aneignen. Wir als Lehrende sollten uns daher als erstes darum bemühen, Bedingungen zu schaffen, in denen Lernende vielfältige Möglichkeiten bekommen, dies aktiv zu tun. Welche Medien wir hierbei vorschlagen oder verfügbar machen, kann von Fall zu Fall entschieden werden.

    Wir, die wir viel Spaß daran haben, in Online-Communities zu agieren, sollten uns als Experten in diesem Bereich nützlich machen, indem wir eine exemplarische Praxis entwickeln und dokumentieren. Um den Funken auf die große Mehrheit der professionell mit Bildung befassten Kolleginnen und Kollegen überspringen zu lassen, braucht es realistische und übertragbare Beispiele. Dabei sind die Anforderungen an die Medien von Zielgruppe zu Zielgruppe und von Themengebiet zu Themengebiet verschieden. Und wenn der Funke nicht überspringt, dann ist das auch kein Problem. Nicht immer ist das digitale Medium das Medium der Wahl, auch das Web 2.0 ist kein Allheilmittel.

    Im Stile der Zeugen Jehovas zu missionieren, den Paradigmenwechsel herbeizutwittern oder aus den Stellungsgräben der Blogosphäre, im Kleinkrieg mit den Feuilletonisten die Avantgarde zu spielen, bringt niemanden weiter.

    Alles was zählt, ist die Begeisterung für das Lernen.

    Social Media, 1950 bis 2009

    Mittwoch, 10. Juni 2009

    Foto by Mark Bernay @phonetrips

    Vom Phone Phreaking in den 50igern über das Erwachen des World Wide Web in den 90igern bis zu Google Wave in der nahen Zukunft dokumentiert Brett Borders in seinem Blog alle wichtigen Stationen technologisch gestützter, sozialer Vernetzung. Eine wirklich inspirierende, museale Zusammenstellung:

  • A Brief History Of Social Media
  • Directory of Learning Tools

    Montag, 8. Juni 2009

    directory-of-learning-tools

    Jane Harts Directory of Learning Tools hat im Laufe der Jahre einen erheblichen Umfang angenommen. Über 3000 Online-Werkzeuge werden inzwischen dort gelistet. 2276 dieser Tools können kostenlos teilweise als Web-Service, teilweise als downloadbare Software genutzt werden. Von Bookmarking-Tools, Blogs, Wikis, Mindmapping bis zu Präsentations- und Conferencing-Tools findet man alles, was das Herz begehrt.

    Poster-Sessions mit QR-Tags

    Freitag, 6. März 2009

    Bei der Abstimmung von Beiträgen für die nächste DPG-Tagung diskutierten wir in unserem Arbeitsbereich (Didaktik der Physik) die Inhalte der Poster für die übliche Poster-Session. Dabei stellte sich hier und da das Problem, dass auf den Postern die Inhalte nur sehr verkürzt dargestellt werden können. Mein Vorschlag: Ergänzende Informationen in Form von Videos oder HTML-Seiten für Mobilgeräte anbieten, die durch einen entsprechenden QR-Tag (“QR” steht für “quick response”) auf dem Poster ausgelesen werden können. So können Tagungsbesucher die

    qr-code4

    Informationen eines Posters, das sie interessiert, mitnehmen und bei Gelegenheit auf dem Mobilgerät ansehen, z.B. während weniger interessanten Voträgen oder bei der Heimfahrt in der Bahn. Mit folgenden einfachen Schritten lässt sich dieses Verfahren anwenden:

    1. HTML-Seite oder Video publizieren (z.B. Youtube)
    2. URL der Information kürzen (um den QR-Tag nicht zu komplex werden zu lassen), z.B. mit tiny-url oder doiop.com
    3. Gekürzte URL in QR-Tag konvertieren, z.B. mit dem Kaywa QR-Code Generator
    4. Bild-Datei des erzeugten QR-Tags lokal speichern und in das Poster einfügen

    Tagungsbesucher können dann die entsprechenden Informationen abrufen, wenn sie auf ihrem Mobiltelefon einen QR-Reader installiert haben. Hier eine Übersicht von Readern für die verschiedenen Telefon-Typen : mobile-barcodes.com oder für das Iphone z.B. NeoReader

    Web 2.0 : E-Learning-Reform oder mediendidaktische Innovation ?

    Donnerstag, 26. Februar 2009

    Slide: Wolfgang Neuhaus

    Als Reaktion auf meinen Blog-Beitrag “Innovationsbremse E-Learning” bat mich Andrea Back, ihre Vorbereitungen für eine Keynote auf dem Swiss eEducation Forum zu kommentieren. Im Blog-Eintrag ihrer Forschungswerkstatt werden Belege dafür zusammengestellt, dass die disruptiven Elemente des Web 2.0 die herkömmlichen Grundlagen des E-Learnings verdrängen.

    Aus der Perspektive von Unternehmen und Hochschulen wirkt die Abkehr von den bolidenhaften Learning-Management-Systemen hin zu nutzerzentrierten, sozial vernetzten und individuell kombinierbaren Web 2.0-Lösungen vermutlich wirklich disruptiv, möglicherweise auch innovativ. Aus Perspektive einer konstruktivistisch verstandenen Mediendidaktik werden vor allem Chancen sichtbar: Die Wiederentdeckung des sozialen Lernens im Web 2.0 bietet viele Ansatzpunkte für eine nachhaltige, mediengestützte Pädagogik, die stark genug ist, die theoretischen Verkrustungen des Instruktionsdesigns abzuschütteln.

    Ob wir hier aber von einer wirklichen Innovation sprechen können, hängt aus meiner Sicht auch davon ab, wie sich Akteure, Multiplikatoren und vor allem Lehrende und Lernende in der Praxis verhalten und wie die Web 2.0-Elemente in die Lehr- und Lernpraxis integriert werden. Die von Andrea Back beschriebenen Merkmale einer Web 2.0-getriebenen Netzkultur sind aus meiner Sicht nicht ohne weiteres auf die institutionellen Bedingungen des Lehrens und Lernens übertragbar.

    Ein Blick auf vergangene Entwicklungsetappen der E-Learning-Branche zeigt, dass trotz der Implementation umfassender technologischer Infrastrukturen in den Bildungsinstitutionen das E-Learning auf vergleichsweise geringe Akzeptanz stößt.
    Zudem wirkt ein Blick auf die zahlreichen Vergleichsstudien recht ernüchternd. Die zentrale Ursache dafür, dass es sich bei vielen E-Learning-Hypes der letzten Jahrzehnte eben nicht um wirkliche Innovationen handelte, liegt nach meiner Ansicht darin, dass es eine erhebliche Kluft gibt zwischen den ständig um sich selbst kreisenden Ansätzen der E-Learning-Branche und der real praktizierten Pädagogik in den Bildungsinstitutionen.

    Und hier findet sich dann auch der Ansatzpunkt für eine wirkliche mediendidaktische Innovation: “Der Kern jedes Lernprozesses liegt in der Handlung. Und zwar in der realen Handlung des Lernenden im realen Raum.” Diese Einsicht bildet bei ausgebildeten Pädagoginnen und Pädagogen schon seit langem die Grundlage für die Komposition didaktischer Arrangements. Diese durch eine Vielzahl von Lerntheorien belegte Annahme taucht auch hier und da in den unterschiedlichen Entwicklungsstufen des Instruktionsdesigns auf, jedoch werden daraus keine adäquaten Konsequenzen gezogen. Handlungen werden hier ausschließlich als abstrakte kognitive Konstrukte verstanden oder eben als Klicks mit der Maus am Monitor. Die Kluft zwischen E-Learning und Learning wird hier unmittelbar deutlich. Und eben auch der Grund, warum das E-Learning sich an der Basis der Bildungsinstitutionen nicht wirklich durchsetzen konnte.

    Eine Reform des E-Learnings, bei der bestehende Konzepte des Blended Learning lediglich durch soziale Komponenten des Web 2.0 ergänzt werden, bringt vor diesem Hintergrund keinen wirklichen Fortschritt. Von einer Innovation ließe sich sprechen, wenn es gelänge, mit den nutzerzentrierten, sozial vernetzten Werkzeugen des Web 2.0 direkt an handlungsorientierte Unterrichtspraxis anzuknüpfen. Der Motor einer solchen Innovation wären dann die Lehrerinnen und Lehrer, die auf Grund ihrer praxisorientierten Ausbildung (Referendariat) umfassendes Knowhow bezüglich der Umsetzung handlungsorientierter Aktions- und Sozialformen mitbringen. Diese könnten nun mit Hilfe von Online-Werkzeugen, die hinsichtlich Funktionalität und didaktischer Passung gefiltert wurden, den Handlungs- und Aktionsraum ihrer Klientel über die Seminarraum-Grenzen hinaus erweitern. Lernende an anderen Orten könnten in lokale Lernprojekte integriert werden und umgekehrt. Kompetenzen einzelner – auch virtuell – Beteiligter könnten sich sach- und projektbezogen ergänzen.

    Dies wäre eine – vermutlich disruptive – Innovation, weil die bisherigen Systeme des E-Learnings und ihre schwerfällige technologische Infrastruktur abgelöst würden durch ein allgemein-didakisch wohlbegründetes System, das Handlung und soziale Interaktion in den Mittelpunkt der Infrastrukturentwicklung von Bildungsinstitutionen setzen würde.

    • Dewey, J. (1993). Demokratie und Erziehung (Jürgen Oelkers, Ed.). Weinheim und Basel: Beltz.
    • Kerres, M. (2007). Mediendidaktik. In F. von Gross, & K. – U. Hugger (Eds.), Handbuch Medienpädagogik. Wiesbaden: VS Verlag.
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    • Schelhowe, H. (2006). Medienpädagogik und Informatik: Zur Notwendigkeit einer Neubestimmung der Rolle digitaler Medien in Bildungsprozessen. MedienPädagogik, . Retrieved February 26, 2009, from http://www.medienpaed.com/05-2/schelhowe05-2.pdf
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